Editorial

Ausgewählte Fallberichte des Swiss Medical Forum zum Zweiten!

Engramme setzen

DOI: https://doi.org/10.4414/smf.2020.08458
Veröffentlichung: 15.01.2020
Swiss Med Forum. 2020;20(0304):35

Prof. Dr. med. Martin Krause, Prof. Dr. med. et phil. Maria Monika Wertli

Redaktion Swiss Medical Forum

Nach einer ersten Sondernummer mit Fallberichten im Swiss Medical Forum 51–52/2019 möchten wir mit der aktuellen Ausgabe daran anknüpfen und haben eine zweite Serie aktueller Fallberichte für Sie zusammengestellt.

Mit den Fallberichten möchte das Swiss Medical Forum Ihren diagnostischen Scharfblick schulen: Anhand von nichtalltäglichen oder überraschenden und bedeutsamen Fallbeobachtungen sollen Engramme gesetzt, also Gedächtnisspuren hinterlassen werden. Wir hoffen, dass die so «eingeprägten» Informationen zu gegebener Zeit (idealerweise bei einem ähnlichen Fallbeispiel) abgerufen werden und im diagnostischen Prozess dienlich sein können.

Was erwartet Sie in der vorliegenden Ausgabe? Am besten lesen Sie selbst:

Von Graffenried et al. (S. 40) beschreiben in ihrem Fallbericht ein im Rahmen einer Tumorsuche falsch positives Resultat im PET-CT, das bemerkenswert ist. Es ist von klinischer Bedeutung, dass auch Impfungen zu ­einer entzündlichen Begleitreaktion im Drainage­gebiet der Impfstichstelle führen können, die im PET-CT eine erhöhte Stoffwechselaktivität im Lymphknoten anzeigen.

Immer wichtig, daran erinnert zu werden! «Die Nadel im Heuhaufen» von Pieper et al. (S. 44) rückt eine ­Zoonose ins Blickfeld, die bei uns etwas in Vergessenheit geraten ist: Das über Wochen bestehende Fieber wurde erstmals in Australien als «query (= unerklärlich) fever» beschrieben. In diesem Fall war der Roh­milchkäsegenuss wegweisend für die Diagnose und korrekte Therapie.

Der sehr schön aufgearbeitete Fall von Hügel et al. (S. 47) erinnert daran, dass nicht jede Claudicatio in­termittens arteriosklerotisch bedingt ist. In der Arteria politea kann eine zystische Degeneration der Adventitia entstehen, die das Gefässlumen komprimiert. Wenn eine chirurgische Zystenentfernung nicht infrage kommt, kann die Zyste punktiert werden.

Im Beitrag «Akute Nackenschmerzen mit seltener Ursache» zeigen Enz et al. (S. 50) das «Crowned dens»-Syndrom als wichtige Differentialdiagnose bei Meningismus und Fieber auf, die leider im Spitalalltag nicht selten verpasst wird.

Greisinger et al. (S. 54) stellen in ihrem Artikel «Rezidivierende Blutungen aus gastrointestinalen Angiodysplasien» eine systemische Therapieoption vor, die es im klinischen Alltag bei schwierigen Fällen zu kennen gilt – insbesondere bei älteren, multimorbiden Pa­tienten.

Eine sehr schöne Beschreibung des Entscheidungs­findungsprozesses bei älteren, multimorbiden Patienten in lebensbedrohlichen Situationen liefern Roffler et al. (S. 57) im ihrem Artikel: Eine Salmonellenente­ritis ist im Praxisalltag nichts Ungewöhnliches, ernsthafte Komplikationen dürfen aber nicht unterschätzt werden.

Und last but not least: Dran denken! Hinter der häufigen Diagnose «verstauchtes Handgelenk» kann sich auch eine komplexe Handgelenksverletzung verbergen, wie Lötscher et al. (S. 61) in ihrem illustrativen Fallbericht zeigen.

Wir wünschen Ihnen eine spannende und lehrreiche Lektüre!

Credits

Kopfbild: © Raquel Camacho Gómez | Dreamstime.com

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