Editorial

In eigener Sache

COVID-19 und Swiss Medical Forum

DOI: https://doi.org/10.4414/smf.2020.08511
Veröffentlichung: 08.04.2020
Swiss Med Forum. 2020;20(1516):243

Prof. Dr. med. Martin Krause

Stellvertretender Chefredaktor Swiss Medical Forum

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Unser ärztlicher Alltag ist zurzeit von einer Anspannung geprägt, die wir bisher nicht erlebt haben. Wir Ärztinnen und Ärzte an der Front der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie werden ununterbrochen von allen Seiten mit Fragen konfrontiert, die wir selbst oft nur ungenau oder gar nicht beantworten können. Unsere Informationen erwerben wir in erster Linie aus den ­Tageszeitungen, dem Fernsehen und den Social Media, die schnell und aktuell (und manchmal verunsichernd) sind. Zur gleichen Zeit zeigt die Fach­literatur eine kardinale Schwäche auf: ihr Informa­tionsfluss ist zu träge. Dies liegt an der Unmöglichkeit während einer sich entwickelnden Pandemie, Daten schnell und solide zu verarbeiten, an den umständ­lichen Review-Prozessen und an der Publikationsfrequenz, die mit den täglichen Medienfrequenzen nicht mithält. Die ultraschnellen Review-Prozesse, die sich heute die hochrangigen Journale leisten, um aktuell zu sein, bergen die Gefahr, dass sich Irrtümer und Fehler einschleichen. Beispielsweise wurde in einem Artikel einer renommierten Zeitschrift berichtet, dass mehrere Ansteckungen durch eine gesunde Person erfolgt seien [1]. Eine Recherche von Science ergab danach, dass diese Person nicht asymptomatisch war [2]. Noch immer ist zurzeit nicht fundiert bewiesen, dass eine SARS-CoV-2-Übertragung durch asymptomatische Ausscheider vorkommt, doch die Hinweise verdichten sich, dass dies möglich ist [3]. Das Tempo der Entwicklungen der Pandemie ist hoch. Auch unser Beitrag im Swiss Medical Forum [4] war – ohne Review, sofort übersetzt und gedruckt – bei seinem Erscheinen bereits nicht mehr aktuell.

Wir alle wissen: fundierte Wissenschaftlichkeit und Fachwissen benötigen Zeit.

Eine Aus-, Weiter- und Fortbildungszeitschrift wie das Swiss Medical Forum in zwei Sprachen mit einer zweiwöchentlichen Publikationsfrequenz kann aus verständlichen Gründen den Aktualitätsansprüchen in dieser Pandemie eigentlich nicht gerecht werden. Dennoch möchten wir es wagen, die Gratwanderung Tempo versus Nachhaltigkeit anzutreten: Alle Beiträge zu COVID-19 werden wir «online first» publi­zieren und die Möglichkeit des Newsletters nutzen, um Sie auf neue Beiträge auf unserer Website hinzuweisen.

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Unser Reviewing-Prozess, der aktuell in Gefahr von Verzögerungen gerät (fast alle Redaktionsmitglieder sowie die Mehrheit der Reviewer/innen sind an der Front tätig), wird angepasst, um in dieser Zeit noch funktional zu bleiben, ohne Kompromisse in der Qualität machen zu müssen. Im «Kurz und bündig» wird Professor Reto Krapf Sie auf neue internationale Publikationen zu ­COVID-19 hinweisen.

Wir hoffen, es gelingt uns, mit dem Swiss Medical ­Forum bald nachhaltiges, solides Fachwissen zu übermitteln, das Sie an allen Fronten der SARS-CoV-2-­Pandemie brauchen können.

Credits

Kopfbild: © CDC/ Hannah A Bullock, Azaibi Tamin; 2020.

Literatur

1. Rothe C, Schunk M, Sothmann P, Bretzel G, Froeschl G, Wallrauch C, et al. Transmission of 2019-nCoV Infection from an Asympto­matic Contact in Germany. N Engl J Med. 2020 Mar 5;382(10):970–1. doi:10.1056/NEJMc2001468. Epub 2020 Jan 30.

2. Kupferschmidt K. Study claiming new coronavirus can be transmitted by poeple without symptoms was flawed. Newsletter Science, 3.2.2020. doi:10.1126/science.abb1524.

3. Qiu J. Covert coronavirus infections could be seeding new outbreaks. Nature. 2020 March 20. doi:10.1038/d41586-020-00822-x.

4. Vuichard D, Widmer A, Krause M. Ein neues Coronavirus breitet sich aus: machen wir es richtig? Swiss Med Forum. 2020;20(11–12):175–7. doi:10.4414/smf.2020.08499.

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