Editorial

Auf Wiedersehen und danke

«Und anderswo ...?», das war’s!

Antoine de Torrenté

DOI: https://doi.emh.ch/10.4414/smf.2017.03061
Veröffentlichung: 13.09.2017
Schweiz Med Forum 2017;17(37):782

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Mit der Ausgabe 9/2011 des Swiss Medical Forum (SMF) habe ich die Rubrik «Periskop» von Prof. Bruno Truniger übernommen. Diese Seite war schlagkräftig, witzig und regte stets zum Nachdenken an. Ich musste jedoch ein anderes Format finden, denn wer in den Fussstapfen seines Vorgängers wandelt, erntet häufig nur Kritik und wenig schmeichelhafte Vergleiche wie «früher war es besser». So entstand eine neue Version, die Sie in all diesen Jahren gelesen haben (oder auch nicht). Auf Wunsch der Redaktion wurde die «Und anderswo ...?»-Seite schliesslich vom hinteren Teil auf die erste oder zweite Seite des SMF verlegt. Welch eine Ehre!

Aber nun ist es an der Zeit zu gehen. Es war mir stets ein überaus grosses Vergnügen, diese Rubrik zu schreiben, was jedoch auch mit dem entsprechenden Aufwand verbunden war: Jede Woche ca. 30–40 Artikel zu lesen, die geeignetsten davon auszuwählen und eine «lange» sowie vier kurze Zusammenfassungen (die «Miettes») zu schreiben, war keine leichte Aufgabe. Allmählich wurde die Verpflichtung, jede Woche eine Seite zusammenzustellen, zu einer Belastung. Die Auswahl der Artikel für die Zusammenfassung war oft schwierig. Sollten sie eher an ein Zielpublikum niedergelassener oder im Spital tätiger Ärzte gerichtet sein? Obgleich ich selbst Spitalarzt (für Innere Medizin und Nephrologie) bin, habe ich dennoch nie die Allgemeinmedizin (meine Tochter arbeitet als niedergelassene Internistin) und die hervorragende Arbeit meiner niedergelassenen Kollegen vergessen. Daher wandte ich mich eher diesem Zielpublikum zu, indem ich Artikel auswählte, die entweder die Praxis (Diagnostik und Behandlung) in diesem Bereich verändern oder neue Erkenntnisse vermitteln und somit einen Paradigmenwechsel einleiten konnten. Eine weitere Herausforderung bestand darin, so zu schreiben, dass es für möglichst viele Ärzte mit extrem unterschiedlichen Ausbildungen verständlich war, ohne in eine geisttötende und oberflächliche Popularisierung zu verfallen.

Allmählich begann jedoch das Alter (das «hohe Alter», in dem man von jeder klinischen Studie ausgeschlossen wird!) seinen Tribut zu fordern und einige medizinische Themenfelder wie unter anderem die Gentechnik, die «personalisierte» Onkologie begannen mir, trotz meiner Bemühungen, auf dem Laufenden zu bleiben, vollständig zu entgleiten. Daher ist es Zeit für einen Schlussstrich!

In all diesen Jahren habe ich einige, manchmal äus­serst entrüstete Anmerkungen zu meinen Statements am Ende der kurzen Zusammenfassungen (den «Miettes») und zum Teil zu gewissen Editorials, insbesondere zur Abtreibungsproblematik in bestimmten US-Bundesstaaten und Russland, erhalten. Ich habe stets versucht, darauf zu antworten, ohne meine Überzeugungen zu verraten. Wenn ich einige meiner Kollegen schockiert haben mag, so mögen sie mir dies verzeihen, denn auch beim besten Essen darf die Würze nicht fehlen.

Ich freue mich, dass Prof. Reto Krapf, der ehemalige Chefredakteur des SMF, die Rubrik nun übernimmt. Die Zusammenarbeit mit ihm war stets eine grosse Freude. Ohne jeden Zweifel wird er die Rubrik auf grossartige Weise und in einer vollkommen neuen Form weiterführen.

Ich wünsche dem SMF ein langes Leben und bedanke mich bei dem hervorragenden EMH-Team und allen Redaktoren. Die Sprachbarriere hat dabei nie ein Pro­blem dargestellt. Somit ist das SMF auch ein gelungenes Beispiel für die fruchtbare Zusammenarbeit diesseits und jenseits des Röstigrabens!

Prof. Dr. med. Antoine de Torrenté

Kopfbild: © Raquel Camacho Gómez | Dreamstime.com