Leserbrief

Eine intraartikuläre Steroidinfiltration kann durchaus sinnvoll sein

Andreas Krebs, Lukas Wildi

DOI: https://doi.emh.ch/10.4414/smf.2018.03183
Veröffentlichung: 03.01.2018
Schweiz Med Forum 2018;18(0102):34

Eine intraartikuläre Steroidinfiltration kann durchaus sinnvoll sein

Leserbrief zu: Krapf R. Kurz und bündig – Intraartikuläre Steroide bei Gonarthrose: leider Schaden ohne Nutzen. 
Schweiz Med Forum. 2017;17(46):995.

Das Statement «intraartikuläre Steroide bei Gonarthrose: leider Schaden ohne Nutzen» kann so nicht stehen bleiben und erfordert aus klinischer Sicht eine etwas differenziertere Betrachtung.

Die hier zitierte Studie kommt zu einem gegenteiligen Schluss einer früheren Untersuchung zur selben Thematik und mit derselben Methodik [1], wo eine Symptomverbesserung nachgewiesen wurde – zumindest wenn man die Fläche unter der Kurve betrachtet – ohne vermehrten Knorpelabbau im konventionellen Röntgenbild. Inwieweit der in der neuen Studie mittels Magnetresonanztomographie festgestellte Knorpelabbau klinisch relevant ist, muss offen bleiben. Vor allem aber entspricht der hier untersuchte Behandlungs­algorithmus, nämlich eine intraartkuläre ­Steroidinfiltration alle drei Monate über zwei Jahre, nicht der üblichen Praxis. Auch wenn die Schlussfolgerung zu ziehen ist, dass wiederholte Steroidinfiltrationen bezüglich Knorpel (und auch Knochen) potentiell ungünstig sind, wäre es falsch, daraus abzuleiten, eine intraartikuläre Steroidinfiltration sei bei einer degenerativen Knieproblematik in jedem Fall nutzlos oder kontraindiziert. Die klinische ­Erfahrung zeigt, dass im Fall einer entzünd­lichen Aktivierung einer Arthrose, wenn eine Kristallarthropathie mitspielt (Chondrokalzinose) oder bei der nicht seltenen Kombination einer Arthrose mit einer degenerativen Meniskusläsion, eine intraartikuläre Steroidinfiltration oft zu einer guten und neben­wirkungsarmen Symptomlinderung führt. Nutzen und Risiko einer Steroidinfiltration im Falle einer schmerzhaften Gonar­throse sind immer auch abzuwägen mit den anderen (beschränkten) Alternativen, die uns zur ­Verfügung stehen: Infiltration mit Hyaluronsäurepräparaten oder «platelet-rich plasma» müssen von den Patienten selber bezahlt werden und perorale Medikamente bergen eine Reihe von potentiell unerwünschten Nebenwirkungen. Wie immer in der Rheumatologie erfordert jeder Arthrosepatient eine differenzierte Beurteilung und individuelle Therapie; und da kann eine intraartikuläre Steroidinfiltration durchaus eine sehr sinnvolle und nebenwirkungsarme Massnahme darstellen.

1 Raynauld JP, Buckland-Wright C, Ward R, Choquette D, Haraoui B, Martel-Pelletier J, et al. Safety and efficacy of long-term intraarticular steroid injections in osteoarthritis of the knee: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Arthritis Rheum. 2003;48(2):370–7.

Dr. med. Andreas Krebs, 
Facharzt für Rheumatologie, Kloten;

Dr. med. Lukas Wildi, 
Chefarzt Rheumatologie, 
Kantonsspital, Winterthur

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