Coup d'œil

Status nach Plattenepithelkarzinom der temporalen Gesichtshaut

Fazialisparese durch endoneurale Karzinose

DOI: https://doi.org/10.4414/smf.2018.03333
Veröffentlichung: 26.09.2018
Swiss Med Forum. 2018;18(39):804

Dr. med. Carlo Molla, Dr. med. Hans Rudolf Brinerb

a Institut für histologische und zytologische Diagnostik, Aarau

b Zentrum für Ohren-, Nasen-, Hals- und plastische Gesichtschirurgie, Zürich

Fallbeschreibung

Eine perineurale Tumorinfiltration im orofazialen Bereich kommt in über 30% lokaler Plattenepithelkarzinome von Gesichtshaut oder enoralen Schleimhäuten vor [1, 2, 4]. Wir zeigen hier einen besonders eindrück­lichen Fall eines 65-jährigen Patienten, bei dem vor einiger Zeit ein Plattenepithelkarzinom der Gesichtshaut tieftemporal rechts entfernt worden war und der nun über zwei Jahre eine schwere Fazialisparese rechts entwickelte. Klinisch waren vor allem der Stirn- und Augenast betroffen. In der Bildgebung (MRI) fand man eine Verdickung des intraparotidealen Astes des N. facialis bis zum Foramen stylomastoideum [3]. Der intraparo­tideale Ast der N. facialis wurde exploriert und histo­logisch untersucht. Es wurde eine eindrückliche platten­epitheliale endoneurale Karzinose gefunden (Abb. 1–3).

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Abbildung 1: Die endoneurale Nerventextur ist durch grössere Zellinfiltrate unregelmässig unterbrochen (Nervus-facialis-Ast; Längsschnitt). Keine Hinweise auf einen Primärtumor. ­(HE-Färbung bei mittlerer Vergrösserung.)
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Abbildung 2: Etwa selbiger Ausschnitt mit immunhistochemisch Panzytokeratin-positiven Karzinomzellaggregaten (braun-schwarz) zwischen den längs verlaufenden Nervenfasern im Endoneurium. Keine Hinweise auf einen Primärtumor.
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Abbildung 3: Referenzfall eines anderen Patienten mit ­direktem perineuralem Karzinombefall (links oben) in ­Kontinuität eines aktuellen Plattenepithelkarzinoms der Haut (rechts unten).

Kommentar

Der häufigste karzinomatöse Befall eines peripheren Nerven beschränkt sich in der Regel auf die Perineuralscheide (z.B. beim Prostatakarzinom), was auch in der TNM-Klassifikation als Pn1 berücksichtigt wird. Seltener kommt es – wie hier – zu einer eindeutig endoneuralen Tumorausbreitung, in diesem Fall im N. facialis. Dies lässt sich nach dem konventionellen mikroskopischen Befund leicht immunhistochemisch verifizieren. Als wichtigste adjuvante Therapie hat sich die lokale Radiotherapie bewährt [5].

Disclosure statement

Die Autoren haben keine finanziellen oder persönlichen Verbindungen im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.

Credits

Kopfbild: Institut für histologische und zytologische Diagnostik, Aarau

Korrespondenzadresse

Dr. med. Carlo Moll
htmed AG
Fachärzte für Pathologie
Rotherdstrasse 3
CH-4856  Glashütten
ceo[at]htmed.ch

Literatur

1 Ali MJ, Murphy J, James CL, Wormald PJ: Perineural squamous cell carcinoma infiltration of infraorbital nerve treated with endoscopic nerve resection up to foramen rotundum. Clinical & experimental ophthalmology. 2015;43:288–90.

2 Deepanandan L, Narayanan V, Baig MF. Mandibular invasion of squamous cell carcinoma: factors determining surgical resection of mandible using computerized tomography and histopathologic study. Journal of maxillofacial and oral surgery. 2010;9:48–53.

3 Gulya AJ, Scher R, Schwartz A, Wilson WR: Facial and trigeminal neural dysfunction by a primary cutaneous squamous cell carcinoma: MRI and clinicopathologic correlates. The American journal of otology. 1992;13:587–90. Manuskript / manuscrit Facialiskarzinose.

4 Di Gregorio C, Gebbia V, Florena AM, Franco V, Moschella F. Perineural infiltration by cutaneous squamous cell carcinomas of the head and neck. Anticancer research. 1995,15:1107–15.

5 Lin C, Tripcony L, Keller J, Poulsen M, Dickie G: Cutaneous carcinoma of the head and neck with clinical features of perineural infiltration treated with radiotherapy. Clinical oncology. 2013;25:362–7.

Weiterführende Literatur beim Erstautor.

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