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«Atopische Dermatitis: noch ein wirksamer Antikörper?»

Atopische Dermatitis: noch ein wirksamer Antikörper?

Fragestellung

Atopische Dermatitis, eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, kann den Patienten das Leben schwer, bzw. zur Hölle machen. Durch den beständigen Juckreiz verspüren die Patienten den unwiderstehlichen Drang, sich zu kratzen, wodurch die aufgrund der Erkrankung bereits stark beeinträchtigte Hautbarriere noch mehr geschädigt wird. Häufig kommt es zu Superinfektionen. Der Juckreiz ist mitunter so stark, dass er den Schlaf der Patienten stört und kann in extremen Fällen zu Suizidversuchen führen. Interleukin 13 (IL-13) spielt bei der Entstehung des Juckreizes eine bedeutende Rolle. IL-13-Rezeptoren befinden sich u.a. auf den Neuronen. Nemolizumab (N) ist ein monoklonaler, gegen den IL-13-Rezeptor A gerichteter Antikörper. Wie wirksam ist er gegen den Juckreiz bei Patienten mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis?

Methode

Die Studie wurde in den USA, Europa und Japan durchgeführt. Die Patienten waren 18–65 Jahre alt mit moderater bis schwerer Dermatitis, welche nicht auf eine Behandlung mit topischen Steroiden oder Calcineurin-Hemmern (Tacrolimus) angesprochen hatte. Sie mussten einen EASI-Score von mindestens 10 (Eczema Area and Severity Index, Score von 0–72) aufweisen. Die Intensität des Juckreizes wurde von den Patienten auf einer Analogskala von 0–100 beurteilt und musste mindestens 50 betragen. Die Probanden wurden doppelt verblindet in einem Verhältnis von 1:1:1:1:1 randomisiert und erhielten alle 4 Wochen s.c. N in einer Dosis von 0,1 (n = 53), 0,5 (n = 54), 2 mg/kg (n = 52) oder ein Plazebo (n = 53). Eine Gruppe erhielt alle 8 Wochen 2 mg/kg (n = 52) für eine hier nicht aufgeführte Analyse. Primärer Wirksamkeitsendpunkt war die prozentuale Besserung des Juckreizes in Woche 12 im Vergleich zu Studienbeginn. Ein sekundärer Endpunkt war die Verbesserung des EASI-Score in Woche 12.

Resultate

82% der Patienten nahmen bis zum Studien­ende teil. Bei denen, die alle 4 Wochen N einnahmen, betrug die Verbesserung des Juckreizes entsprechend der o.g. Dosierung –43,7%, –59,8% und –63,1%, gegenüber –20,9% unter Plazebo, p <0,01. Der EASI-Score nahm von –7,5% bei 0,1 mg N/kg bis –19,4% bei 2 mg N/kg, gegenüber –15,7% unter Plazebo ab (n.s.). In den N-Gruppen wurde die Behandlung nicht häufiger abgebrochen als unter Plazebo (13–17%).

Probleme

Die Gruppen sind relativ klein und die Studiendauer ist kurz. Der Anteil der Patienten, die zu einem Grossteil aufgrund einer Exazerbation der atopischen Dermatitis vorzeitig aus der Studie ausgeschieden sind, ist ziemlich hoch.

Kommentar

N wirkt sehr rasch auf den Juckreiz mit einer deutlichen Linderung bereits eine Woche nach der ersten Injektion. Die Schlafqualität hat sich, trotz einer deutlichen Besserung des Juckreizes, merkwürdigerweise nur marginal verbessert. Ein Aufwärtstrend war jedoch zu verzeichnen. Es müssen längere Studien durchgeführt werden, um die Resultate zu bestätigen. Dupilumab, ein anderer gegen IL-2 und IL-13 gerichteter Antikörper, scheint bezüglich der betroffenen Hautoberfläche und der untersuchten sekundären Endpunkte (Juckreiz, Schlaf, Lebensqualität) noch wirksamer zu sein. Ist die Linderung des Juckreizes jedoch entscheidend, wird N möglicherweise einen Platz bei der Behandlung einer Erkrankung einnehmen, die das Leben der Pa­tienten stark beeinträchtigen kann.

Ruzicka T, et al. N Engl J Med. 2017;376:826–35.

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1606490

Vergleich der neuen oralen Antikoagu­lanzien (NOAK)

Es gibt keinen direkten Vergleich aller NOAK. Eine Beobachtungsstudie der Mayo Clinic an >15 000 Patienten hat nun eine vergleichbare Wirkung von Dabigatran, Rivaroxaban und Apixaban bei der Prävention systemischer embolischer Ereignisse gezeigt. Bezüglich schwerer Blutungen war Apixaban den beiden anderen Medikamenten überlegen. Gut zu wissen.

Noseworthy PA, et al. Chest. 2016;150(6):1302–12.

http://dx.doi.org/10.1016/j.chest.2016.07.013

Verzicht auf Reanimation: nicht ­übermittelte medizinische Anordnung?

Bei der Einlieferung vom APH ins Spital werden medizinische Anordnungen häufig nicht übermittelt. Eine kleine Studie in Ohio hat gezeigt, dass, obgleich 68% der APH-Akten der Patienten eine medizinische Anordnung zum Verzicht auf Reanimation enthielten, diese bei der Einweisung in die Notaufnahme lediglich 28% der Erkrankten mitführten. Bei einer derart wichtigen Entscheidung ist dies schwerwiegend. Wie hoch mag der o.g. Anteil wohl bei Hausarztpatienten sein, deren Krankenakten eine medizinische Anweisung zum Verzicht auf Reanimation enthalten?

McQuown CM, et al. Am J Emerg Med. 2017;pii: S0735-6757(17)30092-X

http://dx.doi.org/10.1016/j.ajem.2017.02.007.

Herzschrittmacher und Verwendung von elektrischen Alltagsgeräten: Gefahr?

Eine deutsche Studie hat die Interferenz elektromagnetischer Felder von elektrischen Alltagsgeräten auf die Funktion von Herzschrittmachern untersucht. Dazu wurden 119 Patienten mit Elektroden und bi- sowie unipolarer Detektion (Sensing) elektromagnetischen Feldern ausgesetzt. Bei Patienten mit unipolaren Elektroden wurde die Detektion bei einer Frequenz von 50 Hertz gestört. Von den Patienten mit bipolaren Elektroden wurden 60% beim Gebrauch einer elektrischen Schlagbohrmaschine beeinträchtigt, wenn die Detektionsschwelle auf die niedrigste Stufe eingestellt war. Folglich erscheint ein Warnhinweis für die Patienten (insbesondere in bestimmten Berufen) angebracht und die Anpassung der Detektionsschwelle durch einen Kardiologen indiziert.

Stunder D, et al. Circulation. 2017;135:907–9.

http://circ.ahajournals.org/content/135/9/907

Lebensqualität nach transfemoralem Aortenklappenersatz

Studien haben ein verlängertes Überleben von Patienten mit schwerer Aortenstenose nach transfemoralem Aortenklappenersatz gezeigt. Nach 30 Tagen hatte sich die Lebensqualität bei >30 000 Patienten auf einer Skala von 0–100 um 28 Punkte verbessert. Bei >7000 Patienten, die ein Jahr überlebt hatten, war die Punktzahl von 44 auf 76 gestiegen. Dennoch waren nach einem Jahr 19% verstorben und 17% wiesen einen Score von <50 auf. Bei hochbetagten Patienten mit Lungenerkrankung und Schlaganfall war die Prognose am ungünstigsten. Alles in allem waren die Resultate bei korrekter Indikationsstellung jedoch positiv.

Arnold SV, et al. JAMA Cardiol. 2017;2(4):409–16.

http://dx.doi.org/10.1001/jamacardio.2016.5302

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Arnold SV, et al. JAMA Cardiol. 2017;2(4):409–16.

http://dx.doi.org/10.1001/jamacardio.2016.5302

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