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«Statistische Signifikanz»

Statistische Signifikanz

Leserbrief zu: Krapf R. Kurz und bündig. Swiss Med Forum. 2021;21(37–38):622–4.

Die Übersichten «Kurz und bündig» sind vielleicht die meistgelesene Rubrik des Schweizerischen Medizin-Forums und geben einen guten Überblick über wichtige neue Studien.

Die Zusammenfassung «Effekt der Tonsillektomie/Adenoidektomie bei Schlafapnoesyndrom unter Kindern im Vorschulalter» [1, 2] stellt jedoch die induktive Statistik unglücklich dar. Grundsätzlich gibt ein niedriger p-Wert an, dass der beobachtete Unterschied mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur auf Zufall beruht. Klinisch relevant ist jedoch die Grösse des Effekts, die bei therapeutischen Studien angibt, wieviel besser die untersuchte Methode im Vergleich zur Referenz­behandlung ist.

So kann bei einer Studie mit sehr vielen Teilnehmern ein kleiner Unterschied statistisch deutlich signifikant sein, ohne dass dieser Unterschied klinische Bedeutung erlangt. Andererseits kann eine zu kleine Studie grosse Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen finden, die aber statistisch nicht signifikant sind (dann spricht man auch vom Fehler zweiter Ordnung, [3]).

Daher ist es nötig, bei der Interpretation von Studienergebnissen klar zwischen Signifikanz und Effektgrösse zu unterscheiden, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Der Autor hat keine finanziellen oder persönlichen ­Verbindungen im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.

Kopfbild: © Thomas Gowanlock | Dreamstime.com

1 Krapf R. Kurz und bündig. Swiss Med Forum. 2021;21(37–38):622–4.
2 Waters KA, Chawla J, Harris MA, Heussler H, Cheng AT, Black RJ. Sleep and behavior 24 months after early tonsillectomy for mild OSA: An RCT. Pediatrics. 2021;148(2):e2020038588.
3 Altman DG. Practical Statistics for Medical Research. London: Chapman and Hall; 1991.

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