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20 Jahre Swiss Medical Forum
«Medizinischer Fortschritt: Vorbeugen, Heilen, Lindern und Begleiten »

Fortschritt in der Medizin wird gewöhnlich mit dem Erfolg bei Elimination und Behandlung von Krankheiten assoziiert. Ärztliches Tun besteht allerdings nicht nur aus Vorbeugen und Heilen, sondern auch immer mehr aus Lindern, Trost, Begleiten und Wiedereingliedern. Letztere sind zentrale Themen der Palliativmedizin, Geriatrie und Rehabilitationsmedizin. Einige bedeutende Entwicklungen der letzten Jahrzehnte dieser breiten Palette ärztlicher Tätigkeit werden in diesem Heft mit fünf Schlaglichtern vorgelegt. Wir danken den renommierten Fachvertreterinnen und -vertretern für ihre wertvollen Beiträge zur Feier von 20 Jahre Swiss Medical Forum.

Der Beitrag von Andreas Stuck für die Geriatrie fokussiert auf Frailty. Gebrechlichkeit ist eine häufige– aber nicht zwingende (!) – Begleiterin des betagten Menschen, welche von Gewichtsverlust, Schwäche und Abgeschlagenheit gekennzeichnet ist. Die Erkennung und Einschätzung von Frailty sind entscheidend für die Prognose medizinischer Massnahmen und Reanimationsentscheide. Testfrage: Wie wahrscheinlich überlebt ein 90-jähriger Patient ohne frailty eine Reanimation ohne neurologische Schäden?

Florian Desgranges, Thierry Calandra und Sylvain Meylan in ihrem Beitrag zur Infektiologie übertreiben wohl nicht, wenn sie behaupten, dass die RNS-basierte Impfung gegen SARS-CoV-2 ein neues Kapitel in der Impfgeschichte schreibt. Wir werden gerade Zeugen vom Tempo, der Präzision und der Wirksamkeit dieser neuen Impftechnik. Doch der Weg ist holperiger als zuerst gedacht. Impfgeschichte war immer gezeichnet von Emotionalität, Polemik und Polarität, Erinnern Sie sich? Der englische Landarzt Edward Jenner erntete vor 325 Jahren von Kirche und Wissenschaft nur Spott und Schmach, als er einem Buben Kuhpockeneiter in die Haut ritzte, und damit zeigte, dass Immunität gegen Pocken entstand.

Im Beitrag von Thomas Cerny wird offenbar, welch fantastischen Entwicklungen die Onkologie vorangetrieben haben. Tyrosinkinase-Hemmer, Checkpoint-Inihibitoren, CAR-T-Zellen und antikörperbasierte Präventionsmöglichkeiten haben das Fachgebiet revolutioniert und weiter spezialisiert. Er verschweigt dabei nicht die wichtige Rolle der Politik bei Präventionsprogrammen und das Problem der Finanzierbarkeit moderner Therapien.

Marcel Weber erklärt die wachsende Bedeutung der Rehabilitationsmedizin. Funktionserhalt und Wiederherstellung dienen der effizienten Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit und Funktionstüchtigkeit im Alltag. Dabei wird der herausfordernde Beschleunigungseffekt der Akutmedizin offensichtlich: Betroffene werden mit langen Diagnose- und Medikamentenlisten überwiesen. Die Verlegung aus den Akuthäusern erfolgt früher, auch wenn in der Rehabilitation intravenöse Therapien weitergeführt werden müssen. In der Paraplegiologie ist die robotergestützter Bewegungstherapie nicht mehr wegzudenken. Zudem sind onkologische und geriatrische Rehabilitation neue Herausforderungen.

Palliativmedizin ist eine wachsende Disziplin, in der körperliche, seelische, soziale Aspekte des Leidens bei fortschreitenden Erkrankungen im Fokus stehen. Steffen Eychmüller und Sophie Pautex erklären die Breite dieses Faches, dessen Stärke unter anderem Kommunikation und Interprofessionalität sind. Inzwischen hat die Palliative Care auch ausserhalb der Spitäler eine bedeutende Unterstützung der Grundversorger übernommen. Die Autorin und der Autor fassen die laufenden Entwicklungen dieses übergreifenden Fachgebietes konzis zusammen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre.

Kopfbild: © Sumie Nomoto | Dreamstime.com

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