access_time veröffentlicht 04.05.2019

Eiseninfusion bei Herzinsuffizienz: Herz- oder Skelettmuskulatur?

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Für Ärztinnen und Ärzte am Spital

Eiseninfusion bei Herzinsuffizienz: Herz- oder Skelettmuskulatur?

04.05.2019

Vor etwa zehn Jahren wurde gezeigt, dass bei Herzinsuffizienz und Eisenmangelanämie eine Eiseninfusion die Symptome und Belastbarkeit verbessern kann [1, 2]. Weil diese Veränderungen nicht mit den (geringen) Hämoglobinanstiegen korrelierten, postulierte man einen spezifischen, Hämoglobin-unabhängigen Effekt der Eisenzufuhr.

Der Mechanismus bleibt aber noch wenig untersucht. In einer kleinen, doppelblinden, prospektiven Untersuchung von Patient(inn)en mit Herzinsuffizienz (NYHA >II) und Eisenmangel (50% ­davon mit Anämie) wird gefunden, dass 14 Tage nach ­einer einzigen Eisenmaltoseinfusion (mit dokumentierter Korrektur der Eisenspeicher) der Energieverbrauch in der Skelettmuskulatur respektive die muskuloskelettale mitochondriale Funktion (gemessen mit 31P-Magnetresonanzspektroskopie [31P-MRS]) verbessert waren, dies ohne signifikante Hämoglobinveränderungen [3].

Die Symptombesserung bei Herzinsuffizienz durch Eisenzufuhr dürfte also mindestens zum Teil extrakardiale, eben muskuloskelettale, Gründe haben. Kurz und bündig verscheucht auch diese Studie die Sorge vor einer zu freizügigen Eisensubstitution nicht. Angesichts der Rolle von Eisen bei Progressionsfaktoren der Herzinsuffizienz (freie Radikale, Redox-Ungleichgewichte, Entzündungsprozesse) ist Vorsicht weiterhin am Platz.

1 JACC 2008

2 New Engl J Med 2009

3 Circulation 2019

Verfasst am 09.04.2019

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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