access_time veröffentlicht 26.06.2019

Kurz und bündig Heft 27/28, Teil 2

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig Heft 27/28, Teil 2

26.06.2019

Hier finden Sie die neuesten Kurz und bündig-Beiträge online.

Fokus auf...

Fokus auf (2) … Prävention des Kontrastmittel-assoziierten Nierenversagens

  • Risikostratifizierungen sinnvoll (siehe dazu das «supplemental material»)
  • Volumenzufuhr (0,9% NaCl) 1,5 bis 3 ml pro kg Körpergewicht eine Stunde vor Applikation des Kontrastmittels
  • Bei Hochrisikopatient(inn)en (Herzinsuffizienz, schwere Hypertonie) Druck-gesteuerte Applikation erwägen (Blutdruck und venöse Füllungsdrucke)
  • Natriumbikarbonat wahrscheinlich nicht besser als NaCl, keine Evidenz für protektive Wirkung von Azetylzystein
  • Bei Risikopatient(inn)en Absetzen/Pausieren von nichtsteroidalen Antirheumatika (gute Evidenz), «Angiotensin Converting Enzyme»(ACE)-Hemmern, Angiotensin-Rezeptorblockern und Diuretika (schwache Evidenz)
  • Gebrauch niederosmolarer Kontrastmittel
  • Risiko für Laktatazidose nach Kontrastmittelgabe unter Metformin wahrscheinlich sehr tief

N Engl J Med. 2019

Verfasst am 06.06.2019.

Immer noch lesenswert

Frühe Hürden für die Herztransplantation

Vor 50 Jahren wurden die Verläufe der ersten etwas mehr als hundert Herztransplantationen (durchgeführt innerhalb von 18 Monaten vorwiegend durch Barnard in Südafrika und Cooley in den USA) analysiert. Die Histokompatibilität (nach der Terasaki-Einteilung) wurde als der wichtigste prädiktive Faktor ­eines Überlebens identifiziert. Allerdings war das Überleben selbst mit der besten Konstellation mit durchschnittlich 111 Tagen tief.

Im ­Artikel «What a new heart is worth» (!) wird geschlossen, dass die nur kleine Differenz zwischen dem Überleben von transplan­tierten Patient(inn)en und demjenigen ­potentieller Empfänger(inn)en eine Herztransplantation nicht als valable Therapieoption erscheinen lasse (noch nicht – wie wir jetzt wissen).

Nature. 1969

Verfasst am 02.06.2019.

© Sudok1 | Dreamstime.com

Das hat uns gefreut

Compliance-Verbesserung dank Smartphone

Sogenannte Smartphones haben das grösste Überwachungspotenzial des einzelnen Bürgers (weshalb das Kurz und bündige eben gerade entsorgt wurde), allerdings natürlich – daher ihre Popularität – auch Annehmlichkeiten und nutzenbringende, medizinische Applikationen.

Eine hohe Compliance bei der Tuberkulosebehandlung ist zentral für die Heilungsrate, Verminderung der weiteren Ausbreitung und zur Limitierung von Resistenzentwicklungen. Täglich durch Gesundheitspersonal überwachte Therapien («daily observed treatment» [DOT]) waren das bislang beste Mittel zur Erreichung dieses Ziels, vor allem bei Patient(inn)en mit hoher Wahrscheinlichkeit einer schlechten Compliance.

Nun zeigt eine britische Studie mit zufälliger Randomisierung, dass ein Kontakt und die Dokumentation der Einnahme mittels Smartphone (Video-Kontakte [VOT]) im Vergleich zur DOT bei 226 Hochrisikopatient(inn)en (Drogenabhängigkeit wie Alkohol u.a., Inhaftierung etc.) die Einnahmehäufigkeit innerhalb der ersten zwei Monate (>80% vs. <35%) wie auch die Wahrscheinlichkeit, negative Sputumkulturen zu erreichen, hochsignifikant verbesserte. Nicht überraschend waren die Neben­wirkungen wie Nausea, Erbrechen in der VOT höher, die aufgewendete Arbeitszeit pro Patientenkontakt soll sich von 50 (DOT) auf weniger als 4 Minuten (VOT) reduziert haben.

Lancet. 2019

Verfasst am 02.06.2019.

© Suwaree Tangbovornpichet | Dreamstime.com

Das hat uns weniger gefreut

Raubgut in der medizinischen Publizistik

Eine Nebenwirkung der Politik frei zugänglicher Originalartikel (sog. «open access») ist die enorme Proli­feration von sogenannten «räuberischen» Journalen («predatory journals»). Solche Journale generieren Gewinne, in dem sie den Autor(inn)en gegen die Zusage einer Publikation (praktisch ohne Qualitätsnormen, geschweige denn einen geordneten Review-Prozess) Rechnung stellen.

Jeffrey Beall, Bibliothekar in Denver, hat bereits 2005 diese Journale auf eine schwarze Liste zu setzen begonnen («Beall’s List»). Die Liste hat auch und gerade in der Medizin eine eindrückliche Länge erreicht. Ob sie allerdings ihr Ziel erreicht, nämlich die Verbreitung von medizinischem Unsinn, Fehlern und Gefälschtem zu reduzieren, ist leider nicht bekannt respektive eher zweifelhaft. Gerade wurden die Listen für die Fachgebiete der Anästhesie und Psychiatrie beziehungsweise die Herkunft der in solchen Medien publizierenden Autor(inn)en veröffentlicht [1, 2].

1 Lancet Psychiatry. 2019

2 Anesth Analg. 2019

Verfasst am 31.05.2019

© Tashatuvango | Dreamstime.com

Auch noch aufgefallen

Infektbedingte Kniegelenksrevisionen: ­Häufigkeit und Riskofaktoren

Laut einer Kohorte in England und Wales wurden zwischen 2003 und 2013 fast 680 000 Kniegelenksprothesen implantiert. Etwas weniger als 0,5% davon mussten wegen eines anderweitig nicht kontrollierten Infektes im Median nach 4,6 Jahren operativ revidiert/ersetzt werden. Das Risiko war für Männer fast doppelt so hoch wie für Frauen. Andere, meist bekannte, aber weniger starke Risikofaktoren waren ­Alter, Body-Mass-Index und eine Reihe von Ko-Morbiditäten.

Lancet Infect Dis. 2019

Verfasst am 04.06.2019.

Wir danken dem Künstler, Ruedi Pfirter ­(Hölstein), ganz herzlich für die Zeichnung.

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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