access_time veröffentlicht 10.07.2019

Kurz und bündig Heft 29/30, Teil 2

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig Heft 29/30, Teil 2

10.07.2019

Hier finden Sie die neuesten "Kurz und bündig"-Beiträge online.

Aus Schweizer Feder

Limiten des Antigen-basierten Screenings auf ­Hepatitis C

Die Antigen-basierte Testung auf Hepatitis C (HCV) hat gegenüber der RNA-Testung (mittels reverser Transkription und dann PCR-Multiplizierung) den Vorteil der geringeren Kosten, bei allerdings geringerer Sensitivität bei tiefen Viruslasten (≤3000 IU/ml). Die Daten der Schweizerischen HCV-Kohorte wurden analysiert im Hinblick auf zwei Fragen: 1. Wird der Antigentest bei tiefen Viruslasten in relevanter Zahl falsch negativ? 2. Wie gefährlich ist es, wenn diese Patient(inn)en nicht als HCV-infiziert erkannt werden?

Bei 2533 «therapienaiven» HCV-Patient(inn)en der Kohorte traten Viruslasten ≤3000 IU/ml (bestimmt mit RT-PCR) eher selten auf, konkret in etwa 5% (133 Fälle) im gesamten Verlauf der Kohortenbeobachtung. Viruslasten ≤3000 IU/ml wurden in nur einem Drittel vom Antigentest erkannt. Die meisten Patient(inn)en hatten bei Retestung nach der tiefen Viruslast wieder höhere Viruskonzentrationen, gut 1/6 der Fälle heilten allerdings auch spontan aus trotz chronischer Infektion. Eine Zirrhose war ähnlich häufig bei Patient(inn)en mit oder ohne tiefe Viruslast. Alle Patient(inn)en mit tiefer Viruslast (die womöglich mit dem Antigentest verpasst worden wären) und Leberzirrhose wiesen eine Kombination mit einer Form von Immunsuppression auf.

Der pathophysiologische Zusammenhang dieser Kon­stellation ist unbekannt. Die Kostenersparnis durch HCV-Antigen kann für Länder mit knappen Ressourcen bedeuten, dass mehr Patient(inn)en auf HCV getestet werden können; dabei können aber einige fortgeschrittenen HCV-Infekte verpasst werden.

Abbildung: Elektronenmikroskopische Aufnahme von Hepatitis-C-Virionen aus menschlichem Serum, 180 000-fache Vergrösserung (Gleiberg [CC BY-SA 2.0 de ­(https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], commons.wikimedia.org/wiki/File:HCV_particles.jpg).

Clin Infect Dis. 2019, doi:10.1093/cid/ciz270

Verfasst am 14.06.2019.

 

Auch noch aufgefallen

Hausärzt(inn)e(n) und Häufigkeit der ­Rehospitalisationen

Im US-Gesundheitssystem werden die Hausärzt(inn)e(n) als verantwortlich für die Häufigkeit der Rehospitalisationen angesehen, bei uns kann es im DRG-System Konflikte zwischen dem entlassenden Spital und dem wieder einweisenden Hausarzt geben. Gibt es Hausärzt(inn)e(n), die deutlich mehr oder deutlich ­weniger Rehospita­lisationen veranlassen, was ein Hinweis auf unterschiedliche ambulante Betreuungsqualtität sein könnte?

Nein, gemäss folgender Beobachtung: In der Zeitpe­riode von 2008 bis 2015 wurden texanische Hausärzt(inn)e(n), die mindestens 50 Hospitalisationen pro Jahr veranlassten, in die Studie eingeschlossen. Unter diesen (n=4230) war die Rehospitalisationsrate innerhalb von 30 Tagen nach Entlassung mit sehr geringer Streuung erstaunlich gut vergleichbar: 12,9% ± 0,5%! ­

Determinanten für Rehospitalisationen sind also eher die Progression der Grunderkrankung, interkurrente Zusatzerkrankungen, allenfalls die Compliance der Patient(inn)en oder – eben doch auch – die Entlassungspolitik des Spitals.

Ann Intern Med. 2019, doi:10.7326/M18-2526

Verfasst am 16.06.2019.

© Chris Boswell | Dreamstime.com

 

Auch noch aufgefallen

Das gelesen …

In «Horizonte» [1], dem Forschungsmagazin des Schweizerischen Nationalfonds beschreibt dessen Präsident eine eigene Studie («Potential bias in peer-review of grant applications at the Swiss National Science Foundation» [2]), die – wenn auch nicht peer-reviewed (sic!) – gefunden hat, dass Frauen Nationalfondsgesuche weder unterschiedlich hart beurteilen noch als Forscherinnen in der Gesuchsbeurteilung benachteiligt werden.

Allerdings musste man dazu für diverse Kovariablen korrigieren. Diejenigen Reviewer, die von den Gesuchstellenden vorgeschlagen werden konnten, gaben im Schnitt bessere Noten als andere, weshalb der Na­tionalfonds nun die Möglichkeit, Reviewer vorzuschlagen, umgehend unterbindet.

1 www.horizonte-magazin.ch 2 PeerJ Preprints. 2019, doi:10.7287/peerj.preprints.27587v2.

Verfasst am 17.06.2019.

© One Photo | Dreamstime.com

 

Auch noch aufgefallen

… und das gedacht …

Eine gute Beurteilung der Chancen und der Durchführbarkeit wissenschaftlicher Projekte erfordert oft eine grosse Familiarität mit dem Forschungsinhalt und der spezifischen Situation der Forschungsgruppe.

Das Kriterium sollte also nicht sein, wer bessere Noten gibt (und dafür eliminiert wird), sondern welche Beurteilungen – vorgeschlagen oder nicht – zu produktiveren und relevanteren, innovativeren Forschungsresultaten führ(t)en.

Verfasst am 17.06.2019.

© motortion | Dreamstime.com

 

Nicht ganz ernst gemeint

Die zehn Geheimnisse der Langlebigkeit

1. Gute Gene  

2. Weiterhin wirksame Antibiotika, bessere Impfstoffe (die auch angewendet werden)  

3. Risikofaktorinterventionen bei kardiovaskulären Erkrankungen  

4. Weitere Fortschritte in chirurgischen Techniken  

5. Elimination von Risikoverhalten («base-jumping» etc)  

6. Gute familiäre und soziale Netzwerke  

7. Bekämpfung von Kriegen und Armut  

8. Glück (im Sinne von «luck» oder deutsch «Schwein»)  

9. Gute (vor allem nicht zu viel davon) Ernährung und körperliche Aktivität

10. Pflege des Optimismus

Kurz und bündig haben die Punkte 8 und 10 am besten gefallen, eine gute Mischung zwischen Schicksal und eigenem Verhalten. Und Ihnen?

Am J Med. 2019, doi:10.1016/j.amjmed.2018.12.020

Verfasst am 16.06.2019.

© Paulacobleigh | Dreamstime.com

 

Welches ist die wahrscheinlichste ­Diagnose?

Welches ist die wahrscheinlichste ­Diagnose?

Ein 71-jähriger Mann mit ischämisch bedingter Kardiomyopathie (Ejektionsfraktion 20%) klagt über neu ­aufgetretene substernale Schmerzen bei Anstrengung. Er hat eine bekannte Zwei-Ast-Erkrankung, ­versorgt vor sechs Jahren mit einem Medikamente-freisetzenden Stent in der Arteria circumflexa (mittlerer Abschnitt). Auf der Notfallstation wird der Patient eingehend und nicht nur organzentriert untersucht (Bravo!). Der Rhomberg-Versuch ist positiv. In beiden Füssen fehlen die Oberflächensensibilität und der ­Vibrationssinn.

Die wahrscheinlichste Diagnose ist (nur eine Antwort ist korrekt):

A) Friedereich-Ataxie

B) Alkoholkrankheit mit ischämischer und alkoholischer Kardiomyopathie

C) Diabetes mellitus Typ 2

D) Perniziöse Anämie

E) Periarteritis nodosa

 

© Andranik Hakobyan | Dreamstime.com

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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