access_time veröffentlicht 11.09.2019

Kurz und bündig Heft 39/40, Teil 1

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig Heft 39/40, Teil 1

11.09.2019

Lesen Sie die neuesten "Kurz und bündig"-Beiträge hier.

Fokus auf … Komplikationen der onkologischen Immun­therapien

– Immunvermittelte Kolitis als diffuse oder segmentale Kolitis (CT)

– Transaminitis/Hepatitis (Ultraschall) oder Pankreatitis (PET-CT)

– Periphere Polyneuropathie (Klinik, Neurographie), Hypophysitis (MRI)

– Pneumonitis mit multifokalen Infiltraten/Konsolidationen (CT)

– Myokarditis (Vorhofs- und Kammerdysrhythmien)

– Seltener: Thyreoiditis, Dermatitis, Myositis, Uveitis, Arthritis, intersti­tielle Nephritis, Peritonitis

Am J Med 2019, doi.org/10.1016/j.amjmed.2019.02.008

Verfasst am 21.08.2019.

© Anar Mammadov | Dreamstime.com

Praxisrelevant

Prophylaxe der Gürtelrose bei immunkompromittierten Patient(inn)en

Bei immunkompromittierten Patient(inn)en ist ein Herpes zoster häufiger und hat einen schwereren Verlauf. Bei Patient(inn)en mit soliden Neoplasien und Chemotherapie wies die plazebokontrollierte Applikation eines inaktivierten Zoster-Virus eine Wirksamkeit von knapp 64% auf. Die Impfung wurde in aller Regel sehr gut toleriert und bestand in vier Injektionen in Abständen von je 30 Tagen. Leider war die Wirksamkeit bei hämatologischen Neoplasien nicht signifikant besser als Plazebo. Beim Impfstoff handelt es sich um den zwar inaktivierten, aber identischen Virusstamm, der in der Zostavax®-Vakzine enthalten ist.

Auch der künstliche Impfstoff Shingrix® wird bei immunkompromittierten Patient(inn)en evualiert. Gemäss Studienwebsite (NCT01610414) beträgt dessen Wirksamkeit fast 87% bei Patient(inn)en mit hämatologischen Neoplasien und gut 65% bei Patient(inn)en mit Stammzell- und Nierentransplantationen. Ein Teil der Daten wurde eben gerade online publiziert und bestätigt diese Angaben [2]. Shingrix® ist ein rekombinanter Impfstoff mit dem Oberflächenantigen Glykoprotein E des Varizella-Zoster-Virus. Wie kurz und bündig bereits vorgestellt, bewirkt Shingrix® eine schnellere und anhaltendere Aktivierung sogenannter Memory-Zellen [3].

1. Lancet Infect Dis. 2019, doi.org/10.1016/S1473-3099(19)30310-X

2. Lancet Infect Dis. 2019, doi.org/10.1016/S1473-3099(19)30163-X

3. Swiss Med Forum 2018, doi.org/10.4414/smf.2018.03420

Verfasst am 12.08.2019.

ID 131722163 © Thirasak Phuchom | Dreamstime.com

Praxisrelevant

Wirksamkeit von Vitiligo-Therapien

Eine isolierte Vitiligo tritt bei bis zu 1% der Bevölkerung auf und kann als sozial zurücksetzend empfunden werden. Eine Metaanalyse fasst die Wirksamkeit einer Therapie mit topischen sogenannten Kalzineurininhibitoren wie Tacrolimus mit oder ohne Phototherapie zusammen. Die folgenden Beurteilungskriterien wurden angewendet: milder positiver Effekt >25% Repigmentierung, mässiger Effekt >50% Repigmentierung, deutlicher Effekt >75% Repigmentierung.

Etwa in der Hälfte der Fälle kann bei Monotherapie mit Kalzineurinhemmern eine mindestens milde bis moderate Antwort und bei knapp 20% ein deutlicher Effekt erwartet werden, wobei die Antwort bei Gesichts- und Halslokalisation noch besser ausfiel. Die zusätzliche Phototherapie führt bei 90% zu einer zumindest milden, bei der Hälfte zu einer deutlichen Antwort. In vielen Fällen scheint ein weiterführende Therapie im Sinne der Rezidivprophylaxe allerdings nötig.

JAMA Dermatol. 2019, doi.org/10.1001/jamadermatol.2019.0696

Verfasst am 15.08.2019.

© Roman Krykh | Dreamstime.com

Praxisrelevant

Hörbehinderung durch kongenitale Infektion mit dem Zytomegalie-Virus

Eine Hörbehinderung beim Neugeborenen ist die wichtigste Folge eines Zytomegalie-Infektes in der Schwangerschaft. Dieser kommt in etwa 0,6–0,7% aller Schwangerschaften vor [1]. Eine prospektive, belgische Studie über 22 Jahre findet, dass jedes achte Neugeborene eine Hörbehinderung unterschiedlichen Schweregrades aufweist, wenn die Mutter in der Schwangerschaft einen Zytomegalie-Infekt erlitt. Das Risiko stieg signifikant an, wenn es sich um einen Zytomegalie-Primoinfekt handelte, der Infekt im ersten Schwangerschaftsdrittel auftrat und klinisch symptomatisch war. Bei Infektion im ersten Trimester war dann jedes dritte Kind von einer Hörbehinderung betroffen. Etwa jedes 20. Kind insgesamt brauchte eine Hörhilfe (Cochlea-Implantat oder Hörgerät). Die Hörbehinderung hat auch das Potential einer spontanen Besserung, aber leider auch einer späteren Progression in etwa der Hälfte der Fälle.

Die Autoren empfehlen eine audiologische Abklärung bei den ­erwähnten Risikofaktoren, vor allem wenn zusätzlich Ultraschall oder MRI abnorm sind. Für Fragen des Screenings und Behandlungsempfehlungen verweisen wir auf den Expertenbrief 47 der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe [3]. Ein antenataler Screeningtest auf einen Zytomegalie-Infekt wird zur früh- und rechtzeitigen Erkennung und Intervention empfohlen [4].

Abbildung: Zytomegalievirionen in einer digital colorierten transmis­sionselektronenmikroskopischen Aufnahme (© CDC/ Sylvia Whitfield, 1977).

1 Swiss Med Wkly. 2018, doi.org/10.4414/smw.2018.14627

2 Pediatrics 2019, doi.org/10.1542/peds.2018-3095

3 https://www.sggg.ch

4 Lancet Child Adolesc Health 2019, doi.org/10.1016/S2352-4642(19)30271-8

Verfasst am 15.08.2019.

 

Für Ärztinnen und Ärzte am Spital

Roboterisierte Prävention des Deliriums

Die gesundheitsfördernde Wirkung von Haustieren, namentlich Katzen und Hunden, ist weitgehend bekannt, auch im stationären Bereich. Die Integration von Therapiekatzen oder -hunden kann aber den Wide­rstand der Spitalhygieniker/-innen hervorrufen und ihr Einsatz ist nicht auf allen Stationen friktionslos möglich.

Eine ziemlich natürlich wirkende Roboterkatze mit dem sinnigen Namen «Joy for All» kennt aber diese Grenzen und Vorbehalte nicht: Sie wirkte – im Bett der Patient(inn)en und empfänglich für Berührungen – in einer (chirurgischen und medizinischen) Intensivstation nach Aussagen von Patient(inn)en, Angehörigen und dem Pflegepersonal in 70% der Fälle so beruhigend, dass eine verhindernde Wirkung auf die Entwicklung eines Deliriums wahrscheinlich ist. Die Angestellten der Intensivstation wurden zudem nicht in der Entfaltung ihrer Arbeitstätigkeit eingeschränkt ...

Am J Med. 2019, doi.org/10.1016/j.amjmed.2018.12.039

Verfasst am 21.08.2019.

© Syda Productions | Dreamstime.com

Für Ärztinnen und Ärzte am Spital

Bildgebung bei infektiöser Endokarditis der Klappenprothesen

Es ist vielleicht noch nicht allgemein bekannt, dass die Ergänzung der (transösophagealen) Echokardiographie mit sogenannter PET-CT (Positronenemissions­tomographie-Computertomographie) die Diagnostik der Endokarditis deutlich verbessert. Die Anwendung dieser Methodik wird nun auch in Fachgesellschafts-Richtlinien empfohlen. Die Sensitivität der Dukes-Kriterien wurde durch Anwendung eines 18F-Fluorodeoxyglukose-PET-CTs von etwa 70 auf 94% erhöht [1].

Bei 173 konsekutiven Patient(inn)en mit Endokarditis nativer und prosthetischer Klappen war das PET-CT bei 83% der prosthetischen Endokarditiden positiv, jedoch nur in 10% bei Endokarditis nativer Klappen. Im Falle der prostethischen Endokarditis ist das PET-CT nicht nur eine dia­gnostische Hilfe, sondern hilft, Patient(inn)en mit schlechterer Prognose und deshalb Indikation zu aktiverer Therapie und Nachbetreuung zu identifizieren. Ein positives PET-CT in dieser Gruppe (nicht bei Patient[inn]en mit nativer Endokarditis) führte nämlich zu einer fast dreifachen Risikoerhöhung der ­Mortalität, Rezidive, Herzinsuffizienz und ungeplanten Hospitalisationen [2].

In beiden Gruppen (native und prosthetische Endokarditis) war aber ein deutlich positives PET-CT ein sehr starker Prädiktor von weiteren embolischen Ereignissen (sog. «hazard ratio» um 8).

1 J Am Coll Cardiol. 2013, doi.org/10.1016/j.jacc.2013.01.092

2 J Am Coll Cardiol. 2019, doi.org/10.1016/j.jacc.2019.06.050

Verfasst am 22.08.2019.

Photo 125941575 © Arne9001 - Dreamstime.com

Autopsiebefunde eines Herzens (79-jähriger Mann), A) Übersicht, B) Vergrösserung: Klinisch war eine Spondylodiszitis mit epiduralem Abszess bekannt gewesen, die also wohl septisch-embolisch entstanden war. Man erkennt Vegetationen in polypenartiger Form auf der partiell destruierten Aortenklappe. Die Mitralklappe ist schwer sklerosiert, ohne makro­skopisch sichtbare Vegatationen. Weitere Befunde: biventrikuläre, exzentrische Myokardhypertrophie und ausgedehnte koronare Atheromatose (Drei-Ast-Erkrankung). Wir danken Frau PD Dr. med. Kirsten Mertz, Institut für Pathologie am Kantonsspital Baselland, herzlich für die Bilder.

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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