access_time veröffentlicht 17.06.2019

Man findet, was man finden will …

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Für Ärztinnen und Ärzte am Spital

Man findet, was man finden will …

17.06.2019

Die Laienpresse berichtet soeben, dass US-Ärztinnen und -Ärzte in Weiterbildung (im ersten Jahr = Internship) sechsmal schneller altern! Ein Jahr Internship gleich sechs (verpasste?) Lebensjahre! Und die Evidenz dazu?

Bei 250 «Interns» aus 55 verschiedenen Spitälern verringerte sich die Telomerlänge in Mundschleimhautzellen innerhalb eines Jahres von durchschnittlich 6465 Basenpaaren auf 6321. Es gab auch einen Dosis-Wirkungs-Effekt: Während «Interns» mit weniger als 45 Wochenarbeitsstunden keine signifikante Telomerverkürzung zeigten, war diese bei mehr als 75 Stunden Arbeit mit durchschnittlich etwa 900 Basenpaaren aufs Jahr beschleunigt.

Allerdings leidet diese Untersuchung unter dem Fehlen einer adäquaten Kontrollgruppe und der (in der Laienpresse) einseitigen Gleichsetzung von Telomerverkürzung mit Alterung. Eine Folge der Telomerverkürzung kann auch die ­Apoptose sein, ein – im richtigen Umfeld – durchaus gewünschter gewebe- und zellhygienischer Effekt … Zudem ist bekannt, dass Veränderungen der Telomerlänge nicht irreversibel sind – und man ist ja nicht ein Leben lang Assistent im ersten Weiterbildungsjahr (siehe auch «Fokus auf» …).

Biological Psychiatry 2019

Verfasst am 23.05.2019.

Bild:ID 116204922 © Robert Kneschke | Dreamstime.com

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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