access_time veröffentlicht 23.04.2019

Prädiabetes eine sinnvolle Diagnose?

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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Prädiabetes eine sinnvolle Diagnose?

23.04.2019

Angesichts der durch investigativen Wissenschafts­journalismus aufgeworfenen Frage, ob die Diagnose «Prädia­betes» (gestellt bei 90 Mio. US-Amerikanern) teilweise eher einem Verkaufsargument als einem sinnvollen Ausgangspunkt für wirksame Prävention entspricht (s. «Kurz und bündig» der letzten Ausgabe [1]), ist ein geraffter Rückblick in die bestehende Evidenz wichtig. Die «diabetes prevention program outcome study» (DPPOS) hatte bei Patient(inn)en, die aufgrund einer pathologischen Glukosetoleranz ausgewählt worden waren, ein geringeres Auftreten von Typ-2-Diabetes nach Metformin oder Lebensstilveränderungen gezeigt [2].

Zwischenzeitlich gibt es für diese Studienteil­nehmer(inn)en bis zu 20 Jahre Nachbeobachtung: Etwa 50% der unbehandelten Patient(inn)en bleiben anhaltend ohne Diabetes [3]. Der viel zitierte Ausbau der Prä­diabetes-Therapie mit Einbezug von Glitazonen und GLP-1-Agonisten (im Vergleich zu Lebensstiländerungen allein) behauptet einen Nutzen dieser Strategie, war aber kurzzeitig (30 Monate), klein und retrospektiv, also nicht aussagekräftig [4]. Noch braucht es also einige Schritte zu einer individualisierten, allfällige Überbehandlungen vermeidenden (Sekundär-)Prävention.

1 ​Swiss Med Forum 2019

2 N Engl J Med 2002

3 Diabet Med 2017

4 Lancet Diabetes Endocrinol 2018

Verfasst am 18.03.2019

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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