Courrier des lecteurs

Qualitätsindikator

DOI: https://doi.org/10.4414/fms.2019.08298
Date de publication: 05.06.2019
Forum Med Suisse. 2019;19(2324):400

Dr. med. Daniel Schlossberg, Zürich

Qualitätsindikator

Leserbrief zu: Sahli R, Jungi M, Christ E, Goeldilin A.«Chronic Care Management»-Programm in der hausärztlichen Praxis. Swiss Med Forum. 2019;19(7–8):113–6.

Im Beitrag von Sahli et al. [1] werden im Zeit­alter sogenannt knapper Ressourcen Qualitätsindikatoren einer guten Betreuung von Patienten mit Typ-2-­Diabetes erhoben. Qualitätsindikatoren lassen sich aus Abrechnungsdaten Versicherter ableiten, und eine gute ­Betreuung lässt sich aus dem Prozentsatz effektiv umgesetzter Massnahmen in einem definierten Zeitraum bestimmen.

Dabei fragt sich der staunende Grundversorger, was denn Qualitätsindikatoren überhaupt seien.

Er oder sie findet eine Definition in Wikipedia: «Ein Qualitätsindikator ist ein quantita­tives Mass, welches zum Monitoring und zur Bewertung der Qualität wichtiger Leitungs-, Management- und unterstützender Funktionen genutzt werden kann, die sich auf ein Ergebnis auswirken. Ein Indikator ist kein direktes Mass der Qualität.»

Und dann fragt sich der unbedarfte Grundversorger mit jahrzehntelanger Praxiserfahrung, ob er denn etwas verpasst habe? Und weiter: Sind nun diese so – mit Messinstrumenten aus der Ökonomie – erfassten Patienten tatsächlich besser betreut? Und erinnert sich an Patienten, die nach einem halben Jahr wieder erschienen sind, für drei Monate ein Rezept erhalten hatten und immer noch genügend Vorrat an Medikamenten, die sie beteuerten, immer genommen zu haben, verfügbar hatten.

Und der Grundversorger beginnt an seinen Rechenkünsten zu zweifeln!

Und kommt zum Schluss: Das Messen von Qualitätsindikatoren ist eine Beruhigung des eigenen Gewissens, dem normativen Druck von Guidelines Stand gehalten zu haben, aber ob der Patient davon in seinem realen Leben etwas merkt und einen Nutzen für sich daraus ziehen kann, ist damit nicht beantwortet.

Man könnte sich auch fragen, ob nicht der Wunsch nach «weniger» der Vater des Gedankens ist. Ist man mit einem Messinstrument, basierend auf Qualitätsindikatoren, erst einmal genug weit weg von den real existierenden Patienten mit all ihren Unzulänglichkeiten, dann kommt ein durchaus respektables Resultat auf dem Papier heraus.

Crédits

Image d'en-tête: © Thomas Gowanlock | Dreamstime.com

Literatur

1 Sahli R, Jungi M, Christ E, Goeldilin A.Chronic Care Management»-Programm in der hausärztlichen Praxis. Swiss Med Forum. 2019;19(7–8):113–6.

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