access_time veröffentlicht 27.10.2020

Acetaminophen in der Schwangerschaft

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Acetaminophen in der Schwangerschaft

27.10.2020

Acetaminophen gilt – im Gegensatz zu nicht-steroidalen Antirheumatika – in der Schwangerschaft als sicher und wird entsprechend häufig als Schmerzmittel verordnet. Eine neue Studie gibt Hinweise (ist aber weit von einem Beweis entfernt), dass Acetaminophen eine (Mit-)Ursache von neurologischen Entwicklungs­störungen wie dem Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) sein könnte. Studien, die eine solche Assoziation auch mit dem frühkindlichen Autismus zeigen, sind seit vielen Jahren bekannt. Die vorliegende prospektive kanadische Kohortenstudie mit 345 Kindern hat bei knapp 10% ein Auftreten von ADHS ­gezeigt (Analyse im Alter von 6–7 Jahren). Falls im Mekonium nach der Geburt Acetaminophen nachweisbar gewesen war (Indiz für mütterliche Acetaminophen-Einnahme), war die Wahrscheinlichkeit eines ADHS 2,5-mal höher als wenn der Nachweis nicht gelungen war.

Wie immer gilt: Solche Studien generieren eine Hypothese. Eine andere Möglichkeit ist z.B., dass die mütterlichen Schmerzen per se eine intrauterine Umwelt schaffen, die zu einem ADHS prädisponieren. Nichts desto trotz: Eine Analyse, ob die Assoziation auch einer Kausalität entspricht, wäre wichtig.

 

JAMA Pediat. 2020, doi.org/10.1001/jamapediatrics.2020.3080

© Syda Productions, Dreamstime.com

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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