access_time veröffentlicht 08.07.2020

Arbeitszeit: eine nicht interpretierbare Studie

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Arbeitszeit: eine nicht interpretierbare Studie

08.07.2020

Generell wird angenommen, dass kürzere Arbeitszeiten der Stationsärzt(inn)en zu weniger ärztlichen Fehlern führen. Eine Untersuchung mit Stationsärzt(inn)en (333 «residents» im 2. und 3. Nachdiplomjahr) auf pädiatrischen US-Intensivstationen zeigte aber das Gegenteil!

Verglichen wurden Dienstschichten über Nacht mit 24 Stunden Pause danach (Interventionsgruppe) mit 24-Stunden-Schichten gefolgt von 24 Stunden Pause. Die Ärztinnen und Ärzte in der Interventionsgruppe schliefen mehr und arbeiteten pro Woche weniger lang (gut 62 versus 68 Stunden in der Kontrollgruppe). Sie begingen aber signifikant mehr Fehler (plus etwa 50%). Aus nicht direkt nachvollziehbaren Gründen betreuten sie aber auch mehr Patient(inn)en (8,8 + 2,8 gegenüber 6,7 + 2,2 in der Kontrollgruppe). Dieser Unterschied ist wahrscheinlich nicht signifikant, aber es sind keine Angaben dazu in der Arbeit zu finden.

Aus nicht direkt nachvollziehbaren Gründen betreuten sie aber auch mehr Patient(inn)en (8,8 + 2,8 gegenüber 6,7 + 2,2 in der Kontrollgruppe, wahrscheinlich zwar nicht signifikant, aber es sind keine Angaben dazu in der Arbeit zu finden).

Aus Schweizer Sicht sind diese breit streuenden Zahlen (sowie die Wochenarbeitszeit) in beiden Gruppen als eher hoch anzusehen. Über andere Einflüsse auf die Resultate wie Effekte der Informationsübermittlung zwischen den Schichten, der Dotation an und Präsenz von supervidierenden Ärzt(inn)en u.a.m. finden sich keine Angaben.


Landrigan C, Rahman S, Sullivan J, et al. Effect on Patient Safety of a Resident Physician Schedule without 24-Hour Shifts. N Engl J Med. 2020 Jun 25;382(26):2514-2523.

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Prof. Dr. med. Reto Krapf

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