access_time veröffentlicht 09.09.2020

Chronische tubulointerstitielle Nephropathie: an genetische Ursachen denken!

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Chronische tubulointerstitielle Nephropathie: an genetische Ursachen denken!

09.09.2020

Chronische tubulointerstitielle Nephropathien sind wichtige Ursachen der terminalen Niereninsuffi­zienz. Sie werden traditionell vorwiegend medikamentösen Nebenwirkungen und im Sinne von Spätfolgen rezidivierenden Infekten und Entzündungen zugeschrieben.

Es gibt aber auch genetische, autosomal-dominant vererbte Ursachen, die sogenannte autosomal-dominante tubulointerstitielle Nierenerkrankung (ADTKD). Charakteristisch sind Tubulusepithelschäden, interstitielle Fibrose und keine bis diskrete glomeruläre Veränderungen und eine nur diskrete Proteinurie (<1g/24 Stunden). Es gibt verschiedene monogen bedingte Ursachen einer ADTKD, die weitaus wichtigsten sind aber Mutationen im Uromodulin- (UMOD, siehe Abbildung) und im Mucin-1-(MUC-1-)Gen.

Eine internationale Kohorte (726 Patienten aus 429 Familien aus den USA, Belgien und der Schweiz) wurde nun analysiert. Beide Genotypen führen innert gut fünf Dekaden zur terminalen Niereninsuffizienz, der UMOD-Genotyp ist charakterisiert durch eine kontinuierlich steigende Inzidenz von Gicht. Diese Form kann auch durch tiefe Urinkonzentrationen von Uromodulin vermutet werden. Als Konsequenz: Bei positiver Familienanamnese, progredienter Niereninsuffizienz, geringgradiger Proteinurie und Gicht schon bei jüngeren und mittelalterlichen Patienten (UMOD) sowie fehlenden anderen Erklärungen daran denken. Eine genetische Testung auf den UMOD-Defekt ist relativ einfach, im Falle von MUC-1 eher anspruchsvoll.

 

Olinger E, Hofmann P, Kidd K, et al. Clinical and genetic spectra of autosomal dominant tubulointerstitial kidney disease due to mutations in UMOD and MUC1. Kidney Int. 2020 Sep;98(3):717-731. Epub 2020 May 22.

 

 

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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