access_time veröffentlicht 02.10.2020

Covid-19: Epidemiologie im Reisebus

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig COVID-19

Covid-19: Epidemiologie im Reisebus

02.10.2020

Mitte Januar 2020 reisten buddhistische Gläubige (knapp 59 Jahre, 88% Frauen), die in Ningbo (700 km östlich von Wuhan) leben, in zwei verschiedenen Bussen zu einer religiösen Veranstaltung. In einem der Busse sass ein präsymptomatischer Patient, der am Tag nach der Rückkehr an COVID-19 erkrankte. Keiner der Reisenden in beiden Bussen trug eine Maske. Die Reisezeit im Bus, dessen Ventilationssystem Luft rezy­klierte (also keine Aussenluft zum Austausch benutzte), betrug 100 Minuten (Hin- und Rückfahrt zusammen), während der im Freien bei Temperaturen um 0 °Celsius abgehaltene Anlass 150 Minuten dauerte. Im Bus mit dem präsymptomatischen COVID-19-Patienten infizierte sich ein Drittel der Mitreisenden (24 von 68 Individuen), während sich im anderen Bus niemand anstecke – ein gutes Argument für die Ansicht, dass sich die Infektion im Bus, und nicht beim Anlass selbst ereignete.

Transportmittel (und wohl auch Mehrpersonen-­Arbeitsplätze) mit Verwendung rezyklierter Luft können also lokale Ausbrüche begünstigen. Masken und natürliches Lüften auch in der kalten Jahreszeit sind folglich wichtig. Laut den SBB sind ihre Züge mit Aus­senluft ventiliert und der Luftaustausch soll – etwas in Abhängigkeit der Passagierzahl – etwa alle 4–8 Minuten erfolgen.

 

JAMA Intern Med. 2020 Sep 1;e205225.Online ahead of print. Community Outbreak Investigation of SARS-CoV-2 Transmission Among Bus Riders in Eastern China.

© Ninlawan Donlakkham | Dreamstime.com

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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