access_time veröffentlicht 26.05.2020

Kein (Hydroxy-)Chloroquin mit oder ohne ein Makrolid-Antibiotikum: jetzt und bei weiteren Wellen

Prof. Dr. med. Reto Krapf

COVID-19 Kurz und bündig

Kein (Hydroxy-)Chloroquin mit oder ohne ein Makrolid-Antibiotikum: jetzt und bei weiteren Wellen

26.05.2020

Im Gegensatz zu anderen Indikationen wie Autoimmunerkrankungen ist es nun definitiv keine gute Idee mehr, die zeitweise weit verbreitete Therapie von COVID-19 mittels (Hydroxy-)Chloroquin, allenfalls mit einem Makrolid kombiniert, zu verordnen. Eine Analyse eines multinationalen Krankheitsregisters von stationär behandelten COVID-19-Fällen (671 Spitäler, weltweit verteilt, schwergewichtig in Nordamerika) zeigte keinen Nutzen von (Hydroxy-)Chloroquin mit/ohne Makrolid-Antibiotikum auf die COVID-19-Erkrankung.

Zugänglich waren die Daten von etwa 96 000 Patient[inn]en (mittleres Alter 54 Jahre). Etwa 15 000 wurden entweder mit Hydroxychloroquin oder Chloroquin mit oder ohne Makrolid (resultierend in 4 Untergruppen) behandelt und mit etwa 81 000 nicht mit diesen Medikamenten behandelten Kontrollpersonen verglichen. Nach Kontrolle von mehreren Risikofaktoren, wie sie in solchen Studien üblicherweise nötig ist, zeigte sich, dass in der medikamentösen Gruppe die Mortalität erhöht war und neu aufgetretene ventrikuläre Arrhythmien signifikant häufiger vorkamen. Die Kontrollgruppe wies eine Mortalität von 9,3% auf, für behandelte Patient[inn]en wurden folgende Mortalitätsziffern gefunden: Hydroxychloroquin allein = 18%, Hydroxychloroquin mit Makrolid = 23,8%, Chloroquin allein = 16,4%, Chloroquin mit Makrolid = 22,2%. Beide Medikamentengruppen können das QT-Intervall verlängern. Dies kann zumindest teilweise die erhöhte Mortalität erklären, ebenso die Beobachtung, dass die Kombination zu einer noch höheren Sterblichkeit führte.

Mehra M, Desai S, Ruschitzka F, et al. Hydroxychloroquine or chloroquine with or without a macrolide for treatment of COVID-19: a multinational registry analysis. Lancet 2020, May 22.

© Amlan Mathur | Dreamstime.com

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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