access_time veröffentlicht 21.10.2020

Korrelation der SARS-CoV-2-RNA-Positivität mit positiven Viruskulturen

Prof. Dr. med. Reto Krapf

COVID-19 Kurz und bündig

Korrelation der SARS-CoV-2-RNA-Positivität mit positiven Viruskulturen

21.10.2020

Im Alltag vergisst man hin und wieder, dass die SARS-CoV-2-Diagnostik RNA und keine Viren («viral load») misst. Seit Beginn der Pandemie besteht Unklarheit darüber, inwiefern die amplifizierte RNA-Menge mit der Ansteckungs-Wahrscheinlichkeit korreliert. Da die RT-PCR-Methode enorm sensitiv ist, kann sie bei einer genügend hohen Zahl an Amplifikationszyklen (angegeben mit dem sog. Ct-Wert) selbst ein einzelnes RNA-Molekül nachweisen. Doch ein Nachweis der RNA erst nach vielen (z.B. 30, 35 oder noch mehr) Zyklen bedeutet, dass intakte, kultivierbare Viren nicht oder in nur sehr geringer Menge vorhanden sind. Solche Konstellationen kommen ganz früh (zu Beginn der Inkubation) oder in der Rekonvaleszenz vor; die Unterscheidung muss klinisch-anamnestisch und/oder durch repeti­tives Testen gemacht werden.

Im ersten Fall ist oder wird das Individuum infektiös, im zweiten sehr wahrscheinlich nicht. Eine französisch-vietnamesische ­Arbeitsgruppe hat prospektiv die Zahl der Amplifikationszyklen mit der Positivität der Viruskultur korre­liert. Bei einem Ct-Wert von 25 waren die Viruskulturen in 70% positiv, nach 30 Zyklen in 20% und nach 35 Zyklen noch in lediglich 3%. Diese Arbeit ist sehr wichtig für die weitere Verbesserung der individuellen Beurteilung der Infektiosität und als Grundlage für Entscheide zu Indikation und Dauer einer Quarantäne.

 

Clin Infect Dis. 2020, doi.org/10.1093/cid/ciaa1491

© CDC/ Hannah A Bullock, Azaibi Tamin

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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