access_time veröffentlicht 26.05.2020

Organtropismus von SARS-CoV-2 beim Menschen und histologische Korrelate: Die Unklarheit persistiert

Prof. Dr. med. Reto Krapf

COVID-19 Kurz und bündig

Organtropismus von SARS-CoV-2 beim Menschen und histologische Korrelate: Die Unklarheit persistiert

26.05.2020

In Zeiten massiv abgenommener Autopsieraten und angesichts des potentiellen Risikos für die Obduzenten ist diese, wenn auch kleine Augsburger Studie bemerkenswert (10 Autopsien bei 12 konsekutiv an einem COVID-19 assoziierten Atemnotsyndrom [ARDS] verstorbenen Patient[inn]en). Die Befunde waren charakteristisch für ein ARDS (alveoläres Ödem, lymphoplasmozelluläre Infiltrationen der Alveolarsepten und hyaline Membranen gefolgt von bronchoalveolärer Fibrose), aber nicht spezifisch unterschiedlich von ARDS-Formen anderer Ursachen. Über die in anderen Publikationen berichtete makrophagenreiche interstitielle Pneumonitis und Alveolitis finden sich keine Angaben. Das Zentralnervensystem war in keinem der Fälle entzündlich verändert [1].

Im Gegensatz zu dieser untersuchte eine andere deutsche Studie (27 Autopsien) die SARS-CoV-2-Infiltration verschiedener Organe mit sogenannter In-situ-Hybridisierung, aber ohne detaillierte pathologisch-anatomische Information. Lunge und Nieren (dort v.a. die Glomeruli), aber auch Gehirn und Herz waren betroffen [2]. Eine um- und zusammenfassende Studie wäre also sehr wünschenswert.

  1. Schaller T, Hirschbühl K, Burkhardt K, et al. Postmortem Examination of Patients With COVID-19. JAMA. 2020 May 21. Online ahead of print.
  2. Puelles V, Lütgehetmann M, Lindenmeyer M, et al. Multiorgan and Renal Tropism of SARS-CoV-2. N Engl J Med. 2020 May 13;NEJMc2011400.Online ahead of print.

© Marotistock | Dreamstime.com

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Ähnliche Beiträge

veröffentlicht 18.02.2018

Benzodiazepine: Hospitalisationsrisiko Pneumonie

Bloggen Sie mit!

Wollen Sie auch einen Blogbeitrag publizieren? Dann schreiben Sie uns!

Mail an Redaktion

Verpassen Sie keinen Artikel!

close