access_time veröffentlicht 04.08.2020

Psychiatrische Langzeitfolgen nach intensivmedizinischer Behandlung

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Psychiatrische Langzeitfolgen nach intensivmedizinischer Behandlung

04.08.2020

Überlebende von intensivmedizinschen Behandlungen leiden laut den meisten Untersuchungen häufiger an psychiatrischen Störungen, wobei von Remissionen in der Mehrzahl der Fälle 3-6 Monate nach Entlassung aus der Intensivstation ausgegangen wird. Laut einer kanadischen Studie könnte aber die intensivmedizinische Behandlung mit ihren komplexen Einflüssen auf das Zentralnervensystem, die Persönlichkeit oder Seele noch viel länger nachwirken.

Eine Kohorte von knapp 50 000 Überlebenden einer Intensivbehandlung (jeglichen Einweisungsgrundes) wurde verglichen mit einer nicht intensiv behandelten Spitalpopulation (n = 147 000) und der Allgemeinbevölkerung (n = 142 000). Über einen Zeitraum von fünf Jahren stiegen Stimmungs- und Angststörungen wie auch Substanzenabusus und Persönlichkeitsstörungen in der Gruppe der Intensivbehandelten an. Die Inzidenzen sind bemerkenswert hoch und stiegen über die Jahre im Vergleich zu beiden Kontroll-Populationen auch noch deutlich stärker an: nach einem Jahr betrug die Inzidenz 14,5% und nach fünf Jahren knapp 43%.

Diese Daten unterstreichen, dass bekannte Risikofaktoren für psychiatrische Störungen identifiziert und wenn möglich eliminiert werden sollten. Viele sind wahrscheinlich noch unbekannt, erwähnenswert sind unter anderem aber: Delirium, exzessiver Gebrauch von Sedativa, Schmerzen, Glukokortikoide und andere Medikamente (katecholaminerge Substanzen).

 

Sareen J, Olafson K, Kredentser M S, et al. The 5-Year Incidence of Mental Disorders in a Population-Based ICU Survivor Cohort. Crit Care Med. 2020 Jun 15.Online ahead of print.

© Tomert | Dreamstime.com

 

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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