access_time veröffentlicht 23.06.2020

Verschreibungskaskaden

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Verschreibungskaskaden

23.06.2020

Unter einer «Verschreibungskaskade» versteht man die Tendenz, ein weiteres Medikament hinzuzufügen, wenn medikamentöse Nebenwirkungen nicht als solche erkannt werden, zum Beispiel Hustenmittel bei durch ACE-(«angiotensin converting enzyme»-)Hemmer bedingten Husten oder Betablocker bei durch Trizyklika induzierter Tachykardie.

Hier ein weiteres häufiges Beispiel: Mehr als 41 000 66-jährige und ältere kanadische Patient(inn)en mit Hypertonie wurden neu mit einem Kalziumkanalblocker behandelt und mit mehr als 66 000 Patient(inn)en verglichen, die eine andere Stoffklasse wegen Hypertonie erhielten. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei den Patient(inn)en mit dem neu verschriebenen Kalziumkanalblocker innerhalb von 30 Tagen zusätzlich ein Schleifendiuretikum infolge neu aufgetretener peripherer Ödeme verordnet wurde, war etwa doppelt so hoch wie in der anderen Gruppe und blieb bis ein Jahr nach Erstverschreibung signifikant.

Die Missachtung dieser Nebenwirkung und deren Mechanismus, der einer Redistribution und keiner Volumenzunahme entspricht, erklärt dieses Phänomen. Dieses ist potentiell gefährlich vor allem bei älteren Patient(inn)en: Orthostase und Sturzgefährdung! Kalziumkanalblocker ist nicht gleich Kalziumkanalblocker: Die Ödemneigung bei Dihydropyridinen ist deutlich höher, diese werden aber eben in der Indikation «Hypertonie» bevorzugt.

Savage R, Visentin J, Bronskill S, et al. Evaluation of a Common Prescribing Cascade of Calcium Channel Blockers and Diuretics in Older Adults With Hypertension. JAMA Intern Med. 2020 Feb 24;e197087. Online ahead of print.

© Vladimir Pogorelov | Dreamstime.com

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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