access_time veröffentlicht 09.06.2020

Virologisch-endokrine Achsen

Prof. Dr. med. Reto Krapf

COVID-19 Kurz und bündig

Virologisch-endokrine Achsen

09.06.2020

Coronaviren, namentlich SARS-CoV-1 («SARS-Erreger») und SARS-CoV-2 («COVID-19-Erreger»), nutzen für den Zelleintritt das für das endokrine Renin-Angiotensin-Aldosteron-System relevante «angiotensin converting enzyme 2» (ACE2). Auch das «respiratory syncitial virus» (RSV) nutzt das humane endokrine System für seine invasiven Aktivitäten, in seinem Falle den «insulin like growth factor 1»-(IGF-1-)Rezeptor. Das RSV trägt weltweit wesentlich zu pulmonaler Morbidität und Mortalität bei, die hauptsächliche Altersverteilung anfälliger Menschen ist aber diametral vom SARS-CoV-2 verschieden:

RSV befällt häufiger (Klein-)Kinder, die auch sehr schwere Verläufe haben können. Die pathogenetische Rolle des IGF-1-Rezeptors bei RSV-Infekten ist aber komplizierter als jene des ACE2 bei SARS-CoV-2: Das sogenannte F-Glycoprotein des RSV bindet an den IGF-1-Rezeptor, was eine intrazelluläre Signalkaskade auslöst, die zur «Wanderung» des Nukleolins aus dem Zellkern an die Plasmamembran führt. Nukleolin ist ein Eintrittskorezeptor nicht nur für RSV, sondern auch für Influenza und Parainfluenza. Interessanterweise auch für Enteroviren und den Tularämie-Erreger (Francisella tularensis, «Hasenpest»).


Griffiths C, Bilawchuk L, McDonough J, et al. IGF1R is an entry receptor for respiratory syncytial virus. Nature. 2020 Jun 3. Online ahead of print.

Bild: CDC/ Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAMS;

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Ähnliche Beiträge

veröffentlicht 18.02.2018

Benzodiazepine: Hospitalisationsrisiko Pneumonie

Bloggen Sie mit!

Wollen Sie auch einen Blogbeitrag publizieren? Dann schreiben Sie uns!

Mail an Redaktion

Verpassen Sie keinen Artikel!

close