access_time veröffentlicht 28.07.2020

Was tun bei nicht rupturierten (nicht blutenden) arteriovenösen Malformationen im Gehirn?

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Was tun bei nicht rupturierten (nicht blutenden) arteriovenösen Malformationen im Gehirn?

28.07.2020

Diese Malformationen sind einerseits die häufigste Ursache intrazerebraler Blutungen bei jungen Patienten, anderseits auch oft ein Zufallsbefund bei Bildgebung aus anderer Indikation oder auch Ursache einer Epilepsie und von fokalen neurologischen Defiziten. Das Fallbeispiel einer arteriovenösen (AV-)Malformation ist in den Abbildungen 1 und 2 dargestellt.

Die sogenannte ARUBA-Studie hatte gezeigt [1], dass in Bezug auf Schlaganfälle und Mortalität die konservativ-medikamentöse der chirurgisch-interventionellen Behandlung nach 33 Monaten überlegen war. Die Studie erhielt für weitere Verlaufsbeobachtungen von der staatlichen Forschungsförderung kein Geld mehr (die Reviewer lehnten ab), die Autoren konnten aber andere Geldquellen anzapfen, die ein weiteres Follow-up nach wenigstens 50 Monaten mit dem gleichbleibenden Resultat ermöglichte [2].

Diese Studie ist die grösste ihrer Art (226 Patienten, mittleres Alter 44 Jahre, 5-Jahres-Mortalität 3%) und zeigt einen grossen, deshalb schwierig zu ignorierenden Unterschied in den erwähnten Endpunkten: 3,4 bei der konservativen versus 12,3 bei der interventionellen Strategie pro 100 Patienten und Jahr. Gleichwohl sind angesichts der (glücklicherweise) tiefen Mortalität längerfristige Beobachtungen (und deren Finanzierung) nötig.

 

  1. Mohr J P , Parides M K, Stapf C, et al. Medical management with or without interventional therapy for unruptured brain arteriovenous malformations (ARUBA): a multicentre, non-blinded, randomised trial. Lancet. 2014 Feb 15;383(9917):614-21. Epub 2013 Nov 20.
  2. Mohr J P, Overbey J R, Hartmann A, et al. Medical management with interventional therapy versus medical management alone for unruptured brain arteriovenous malformations (ARUBA): final follow-up of a multicentre, non-blinded, randomised controlled trial. Lancet Neurol. 2020 Jul;19(7):573-581.

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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