access_time veröffentlicht 03.02.2018

Wie entstehen soziale Ungleichgewichte?

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Wie entstehen soziale Ungleichgewichte?

03.02.2018

Ungleichgewichte sind die Hauptursachen sozialer Spannungen in einer Gesellschaft. In der Medizin sind sie verantwortlich für die extremen Unterschiede in der Anfälligkeit für eine Reihe von Krankheiten. Wie kommt es zu solchen Ungleichgewichten? Warum besitzen 1% der Weltbevölkerung mindestens 50% der ökonomischen Ressourcen, warum metabolisieren 1% der Baumarten im Amazonasgebiet mehr als 50% des CO2? Gibt es Parallelen zwischen Natur und menschlichen Gesellschaften?

Überraschenderweise ist der Zufall per se ein sehr potenter, die Ungleichgewichte fördernder Faktor: Ausgehend von einer perfekt gleichen ökonomischen Kraft aller Individuen/­Familien werden sich – mathematisch voraussehbar – sehr schnell Ungleichgewichte ergeben, weil sich Gewinne und Verluste (durch «natürliche» Veränderungen der «Umwelt») mit den aktuellen Ressourcen multiplizieren. Führen solche Verluste zu einem Aufbrauch der Ressourcen ist es fast unmöglich, wieder daraus herauszukommen (Gewinne/Verluste mal 0 = 0).

Wie kann es zur Wiederherstellung von gewisser Gleichheit kommen? In der Natur vorwiegend durch natürliche Feinde, welche die dominante Spezies überproportional treffen («kill the winner»-Prinzip, z.B. Gnus in ­Afrika). In der Gesellschaft sind es ausgleichende Mechanismen (Steuersystem, politischer Ausgleich). Relevant ist, dass die Wirkung aber traditionell nachlässt in Zeiten des ökonomischen Aufschwungs.

Heute, in der globalisierten Welt kann den regionalen «checks and balances» entgangen werden. Die gegenwärtig massive Zunahme der Ungleichgewichte (Länder und Individuen) bedingt demnach auch ein (wirksames) globales Ausgleichsystem.

Proc Nat Acad Sci (USA). 2017.114(50):13154–7.

Verfasst am 29.12.2017

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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