access_time veröffentlicht 26.02.2019

Keine demente Vorstellung: Bakterien im ­Gehirn!

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Keine demente Vorstellung: Bakterien im ­Gehirn!

26.02.2019

Porphyromonas gingivalis ist ein anaerobes Gram-­negatives Bakterium und ein zentraler Verursacher der chronischen Peridontitis. Diese wiederum wird als ­Risikofaktor für Demenz, namentlich den M. Alzheimer angesehen. Die den Alzheimer begleitende oder ver­ursachende Neuroinflammation erinnert an infekt­bedingte Veränderungen wie reaktive Gliaveränderungen, Complement- und Inflammasom-Aktivierung u.a.m.

Porphyromonas gingivalis wurde nun im Gehirn und Liquor von Alzheimer-Patienten gefunden und die von ihm sezernierten Neurotoxine, die sogenannten Gingipaine (= Zystin-Proteasen), korrelieren konzen­trationsmässig im Wesentlichen mit histologischen Charakteristika des Alzheimer (Pathologien des Tau-Proteins). Die orale Infestation von Mäusen mit diesem Erreger führte zu einer Steigerung der ZNS-Amyloid-Produktion (ABeta1–42), eine Entwicklung, die mit Hemmsubstanzen gegen die genannten Neurotoxine (Gingipaine) verhindert werden konnte. Neben Prävention/Behandlung der Peridonitis wäre vielleicht eine Impfung nicht gegen Amyloid, sondern Porphy­romonas erfolgsversprechend? Oder Mundspülungen mit Hemmsubstanzen der Gingipaine? Das Amyloid (siehe Abbildung) hat – nebenbei bemerkt – auch eigens bakterizide Eigenschaften, es könnte also im Sinne einer aktiven Abwehrreaktion auf die Bakterieninvasion induziert werden und nicht nur schädlich sein …

Science Advances 2019

Verfasst am 29.01.2019

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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