access_time veröffentlicht 23.12.2019

Kurz und bündig Heft 1/2, Teil 2

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig Heft 1/2, Teil 2

23.12.2019

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Das hat uns gefreut

Schweizerisches Gesundheitswesen im ­internationalen Vergleich

Im Vergleich zu anderen Ländern, ebenfalls mit eher komfortablen Durchschnittseinkommen, wurden für die Schweiz interessante Daten aus dem Jahre 2017 publiziert: Die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben betrugen in der Schweiz 7147 US-Dollar eine Zunahme um 1818 Dollar seit 2010 und nur übertroffen durch die USA. ­Einen zusätzlichen Drittel oder fast 1400 Dollar pro Kopf berappten Schweizer/innen aus der eigenen Tasche: Hier ist die Schweiz einsame Spitzenreiterin! Man sollte also zu dieser offensichtlichen Eigenverantwortung der Schweizer/innen vermehrt Sorge tragen und ihr – vielleicht sogar – Respekt entgegenbringen. Gleichzeitig ist dies ein Markt, der vielen Anbietern als lohnender Jagdgrund erscheint … 

Etwa ein Viertel aller Schweizer Ärztinnen und Ärzte war entweder mit dem Einkommen oder der pro Patient zur Verfügung stehenden Zeit unzufrieden, was einem Mittelfeldplatz entspricht. Bei 68% aller Erstkonsultationen standen 15–25 Minuten zur Verfügung, zusammen mit Frankreich (72%) ein Spitzenwert, das heisst, in der Mehrzahl der anderen Länder steht durchschnittlich weniger Zeit zur Verfügung. Beruhigend, wenn auch die Zeit für eine Erstkonsultation generell als zumindest sportlich beurteilt werden könnte. Als indirekter Qualitätsparameter wurde – unter anderen – noch die Zahl vermeidbarer Hospitalisationen (pro 100 000 Einwohner über 15 Jahre und Jahr) geschätzt: Mit 73 «unnötigen» Hospitalisationen für Diabetes mellitus respektive deren 111 für chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) sind diese Werte in der Schweiz am tiefsten.

BMJ 2019, doi.org/10.1136/bmj.l6326

Verfasst am 01.12.2019.

Auch noch aufgefallen

Ein Thyromimetikum zur Behandlung der nichtalkoholischen Steatohepatitis (NASH)

Die nichtalkoholische Fettleber hat in der westlichen Welt epidemische Ausmasse erreicht und ist der wichtigste Grund für Steatohepatitis (siehe Abbildungen), Leberfibrose/Leberzirrhose, aber auch für die Progression der mit ihr asso­ziierten Atheromatose. Auf der Basis der Beobachtung, dass die Fettleber mit einer hepatischen Thyroxinresistenz vergesellschaftet ist, wurden in einem sogenannten 2:1-Design 84 Patient(inn)en mit Steatohepatitis 36 Wochen lang mit dem Thyromime­tikum Resmetirom (41 Patient[inn]en mit Plazebo) behandelt. Die Resmeritom-Behandlung führte zu einer signifikanten Rückbildung der Fettleber und Reduktion der Leberfibrose. Zusätzlich verbesserte sich das «pro-atherogene» Lipidprofil. Resmetirom ist ein leberselektiver Thyroxinrezeptor-Beta-Agonist. Dieser wurde in der Studie gut toleriert, namentlich ohne Symptome einer Hyperthyreose.

Lancet 2019, doi.org/10.1016/S0140-6736(19)32517-6

Verfasst am 25.11.2019.

Auch noch aufgefallen

Ketogene Diät und Verlauf der autosomal-dominanten polyzystischen Nierenerkrankung

Die polyzystische Nierenerkrankung ist die häufigste Ursache einer durch eine Einzelgen-Mutation bedingten chronischen Nierenerkrankung. Sie wird verursacht durch Mutationen im PKD1-(«polycystic kidney disease 1»-) oder im PKD2-Gen. Die intrazellulären ­Mechanismen, die zum Zystenwachstum und damit zum Untergang von Nierengewebe führen, sind schlecht charakterisiert. Der sogenannte mTOR-Stoffwechsel spielt jedoch eine wichtige Rolle. Dessen Hemmung durch das Immunsuppressivum Rapamycin führte aber zu keiner Änderung des klinischen Verlaufs beim Menschen, wohl weil die dazu notwendigen, hohen Rapamycindosen vom Menschen nicht toleriert werden. Die einzige therapeutische Option zur Progressionsverlangsamung dieser Erkrankung bleibt unter gewissen Vorbedingungen die Hemmung der ­Vasopressinwirkung via Hemmung des Vasopressin-2-Rezeptors durch sogenannte «Vaptane». Dadurch wird das Wachstum der Zysten und der Wassertransport in diese gehemmt.

Eine andere Modulation dieses mTOR-Stoffwechsels könnte durch Ketokörper erreicht werden. Kalorienreduktionen, ketogene Diäten und die ­direkte Applikation eines der Ketokörper (Beta-Hy­droxy-Buttersäure) führten alle in Modellen von drei verschiedenen Tierspezies zu einer eindrücklichen Hemmung der Zystenbildung und des Zystenwachstums. Somit könnte die therapeutische Zufuhr von ­Ketonen eine lohnende therapeutische Strategie auch für den Menschen sein.

Cell Metab. 2019, doi.org/10.1016/j.cmet.2019.09.012

Verfasst am 01.12.2019.

Medizinische Depeschenagentur

Baclofen

Baclofen (Lioresal®), ein häufig verordnetes Muskelrelaxans, kann bei einer chronischen Niereninsuffizienz eine enzephalopathische Entgleisung induzieren.

JAMA 2019, doi.org/10.1001/jama.2019.17725

Verfasst am 02.12.2019

Medizinische Depeschenagentur

Neuer LDL-Zielwert in der Sekundärprophylaxe

In der Verhinderung weiterer Ereignisse nach Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke (TIA) ist gemäss einer französisch/südkoreanischen Studie ein therapeutisch induzierter Zielwert für das LDL-Cholesterin von unter 1,8 mmol/l einem Zielwert zwischen 2,3 und 2,8 mmol/l überlegen.

N Engl J Med. 2019, doi.org/10.1056/NEJMoa1910355

Verfasst am 02.12.2019.

Wussten Sie?

Welche sind je die vier wichtigsten Auslöser einer akuten hypertensiven Entgleisung (akute schwere Hypertonie)

– in der Praxis?

– im Spital?

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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