access_time veröffentlicht 01.04.2020

Kurz und bündig Heft 15/16, Teil 2

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Kurz und bündig Heft 15/16, Teil 2

01.04.2020

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Immer noch lesenswert

Was ist schonender für Zwillinge: normale Geburt oder Sectio?

Angesichts der im Rahmen im häufiger in Anspruch genommenen In-vitro-Fertilisationen kommt es zu ­einer Zunahme von Zwillingsschwangerschaften. Darum ist es gut, sich wieder einmal dieser Arbeit zu erinnern, wenn sie auch nicht so lange zurückliegt wie oft in dieser Unterrubrik üblich.

Je etwa 1400 Frauen mit Zwillingen, wovon der erste (früher A genannte) Zwilling in Kopflage sein musste, brachten ihre Kinder entweder natürlich vaginal oder per Sectio zur Welt. Bei beiden Gruppen war die Geburt geplant und fand durchschnittlich am Ende der 35. Schwangerschaftswoche statt. Bei der vaginal gebärenden Gruppe wurde im Geburtsverlauf in zwei von fünf Fällen doch eines der beiden oder häufiger beide Kinder per Sectio zur Welt gebracht. So blieben noch 783 normale Geburten beider Zwillinge (3 von 5). Die Sectio war weder bezüglich fetaler Mortalität und Morbidität noch hinsichtlich der mütterlichen Gesundheit der geplanten vaginalen Entbindung über­legen.

N Engl J Med. 2013, doi.org/10.1056/NEJMoa1214939
Verfasst am 12.03.2020.

 

Noch kontrovers

Wen auf Hepatitis-C-Infektion «screenen»?

Eine chronische Hepatitis C weist in der Allgemein­bevölkerung eine Prävalenz von etwa 1% (Schweiz 0,7%) auf, mit zunehmender Tendenz in einigen Ländern. Sie ist eine wichtige Ursache der Leberzirrhose und des hepatozellulären Karzinoms. Angesichts der Tatsache, dass die Erkrankung prinzipiell heilbar ist, stellt sich die Frage nach der Screening-Strategie. Gemäss den neuesten Empfehlungen der «US Preventive Services Task Force» (USPSTF) sollen deshalb alle 18- bis 79-Jährigen unabhängig von Risikofaktoren einmalig gescreent werden mit Bestimmung der Anti-Hepatitis-C-Virus-(HCV-)Antikörper, bei Positivität gefolgt vom HCV-RNA-Nachweis mittels der RT-PCR-Methode («reverse transcription-polymerase chain reaction»). Für die USA wird geschätzt, dass 4,1 Millionen Personen eine aktuelle oder abgelaufene Hepa­titis-C-Infektion aufweisen (also dann HCV-Antikörper-positiv sind), wobei dann schätzungsweise 2,4 Millionen davon auch HCV-RNA-positiv sein dürften. In der Schweiz gibt es auch Überlegungen, eine solche Strategie zu adop­tieren, doch werden noch objektiv ungelöste Fragen der Machbarkeit in der ambulanten Medizin und die Kosten-Nutzen-Frage studienmässig untersucht. Da die Zunahme von chronischer Hepatitis C in den USA vorwiegend in diversen indigenen Populationen und nach intravenösem Drogen­abusus auftritt, ist auch möglich, dass ein Screening in der Schweiz mit einer differenzierteren Strategie erfolgreicher sein könnte.

Jama 2020, doi.org/10.1001/jama.2020.1123
Verfasst am 12.03.2020.

Auch noch aufgefallen

Demenz-Screening bei Hämodialyse-Patienten: Welches ist der beste Test?

Leider sind kognitive Defizite bei Patient(inn)en mit terminalem Nierenversagen, namentlich unter Hä­modialyse, häufig, scheinen aber nicht generell abgeklärt und gesucht zu werden. In einer neurokognitiv gut charakterisierten Hämodialyse-Population von 150 Patient(inn)en (u.a. mit Aufmerksamkeitstesten, Testung des ko­gnitiven Gedächtnisses, Testen der ­Qualität von Ausführungsfunktionen) hatte das sogenannte «Montreal Cognitive Assessment» (MoCA) unter fünf geprüften Screening-Tests die mit Abstand höchste Sensitivität. Im Besonderen war es besser und genauer als der Minimal-Mental-Status.

Den MoCA-Test finden Sie unter ­https://www.mocatest.org. Es gibt eine Reihe von Webseiten für eine deutsche, französische oder italienische Fassung.

J Am Soc Nephrol. 2020, doi.org/10.1681/ASN.2019100988
Verfasst am 12.03.2020.

 

Fallende Suizidalität bei Ärztinnen und Ärzten

Im Vergleich zur Zeit vor 1980 (mit ausgewerteten ­Studienresultaten bis 2015) ist die Suizidalität bei Ärztinnen und Ärzten gefallen. Allerdings bleibt ein seit den 50er Jahren deutlicher geschlechtsabhängiger Unterschied in der Suizidmortalität bestehen: Im Vergleich zu Nichtärztinnen ist das Risiko für Ärztinnen signifikant höher (sog. «odds ratio» = 1,46), während dieses bei Ärzten im Vergleich zu Nichtärzten signifikant tiefer («odds ratio» = 0,67) ist. Suizidalität ist eine tragische Folge vieler Umstände und Faktoren. Diese Zahlen sind ein Appell, in deren Identifikation und Prävention die spezifische Situation der Ärztinnen speziell zu berücksichtigen.

JAMA Psychiatry 2020, doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2020.0011
Verfasst am 11.03.2020.

Wussten Sie?

Welche Infekte sind am häufigsten mit einer Colitis ulcerosa assoziiert (mehr als eine Antwort könnte richtig sein)?
A    Enterococcus faecalis
B    Amöben
C    Zytomegalie-Viren
D    Giardia lamblia
E    Clostridioides difficile

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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