access_time veröffentlicht 09.04.2020

Kurz und bündig Heft 17/18, Teil 2

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Kurz und bündig Heft 17/18, Teil 2

09.04.2020

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Auch noch aufgefallen

Plazeboeffekt von Viagra et al.

Phosphodiesterase-5-Inhibitoren wirken gegen die – wie auch immer genau definierte – erektile Dysfunktion; auch laut dieser Metaanalyse. Und zwar deutlich signifikant besser als Plazebo. Erwartungsgemäss besteht aber trotzdem ein signifikanter Plazeboeffekt. Dies vor allem bei vorbestehender Psychopathologie, konkret im Rahmen eines sogenannten posttraumatischen Stress-Syndroms. Nach Prostat­ektomie wirken laut dieser Studieninterpretation Phosphodiesterase-5-Inhibitoren nicht besser oder nicht schlechter als Plazebo.

JAMA Netw Open. 2020, doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2020.1423
Verfasst am 21.03.2020.

 

Kardiovaskuläre Spätfolgen ­der ­Lymphomtherapie

Anscheinend werden weltweit jährlich über 500 000 neue Fälle von sogenannten Non-Hodgkin-Lympho-men diagnostiziert. Die Erstlinientherapie umfasst seit gut vier Dekaden eine Kombination von Cyclo-phosphamid, Adriamycin, Vincristin und Prednison (CHOP) mit oder ohne den CD20-Antikörper Ritu-ximab (R-CHOP). Diese lange erprobten Kombina-­tionstherapien sind erfolgreich: Die 5-Jahres-Überle-bensrate beträgt mehr als 70%. Allerdings weisen die Anthrazykline, aber auch Cyclophosphamid als alky-lierende Substanz eine direkte Kardiotoxizität auf. Diese manifestiert sich vorwiegend mit einer oft Jahre später auftretenden, linksventrikulären (dilatativen) Dysfunktion. Wenn ein systematisches kardiologi-sches Monitoring in der Nachsorge vorgesehen und implementiert war, stieg die Diagnose einer Herzinsuf-fizienz von 1,6% (klinisch dokumentierte Fälle) auf über 4,6% dieser Patient(inn)en.

Eine frühzeitige Diagnose und damit der Bedarf für kardiologisches Monitoring sind wichtig für die Ver-langsamung der Progression zu fortgeschritteneren Stadien der Herzinsuffizienz.

Lancet Haematol. 2020, doi.org/10.1016/S2352-3026(20)30031-4
Verfasst am 21.03.2020.

 

Die Leiden des jungen Werther: aktualisiert

Dieser Goethe-Roman zog einen auch ohne genaue medizinische Statistiken dokumentierten, aber gleichwohl gesellschaftlich deutlich fühlbaren Anstieg der Suizidraten nach sich. Die mediale Berichterstattung über Suizide von bekannten Persönlichkeiten oder Berühmtheiten hat im 21. Jahrhundert immer noch denselben Effekt. Berichte über die Wahl der Suizidmethoden dieser Menschen waren gefolgt von einer Häufung in der Anwendung der gleichen Methode. Die Autoren empfehlen re­striktivere Publikationsricht­linien für die Medien ...

BMJ. 2020, doi.org/10.1136/bmj.m575
Verfasst am 22.03.2020.

Für Ärztinnen und Ärzte am Spital

Antibiotika für Kinder mit ambulant ­erworbener Pneumonie?

Auch im Kindesalter werden bei ambulant erworbener Pneumonie häufig blind Antibiotika verordnet. Ob diese zumindest bei leichteren Formen (ambulante Betreuung nach Beurteilung auf einer Notfallstation) auch einen Vorteil bringt, war der Fokus dieser pro­spektiv angelegten Kohortenstudie. Von über 1100 abgeklärten Kindern musste genau die Hälfte wegen schwererer Präsentation hospitalisiert werden. Von den ambulant betreuten Kindern mussten einige wegen vorgehender Antibiotikatherapie oder wegen ungenügender Verlaufsdaten ausgeschlossen werden, sodass schliesslich noch knapp 340 Kinder evaluiert werden konnten. Eine blinde Antibiotikatherapie war nicht besser als keine, zumindest nach Massgabe der Therapieversagen. Ein Therapieversagen lag bei später notwendiger Hospitalisation (in beiden Gruppen 3,4%) oder einer indizierten Neubeurteilung mit Beginn einer Antibiose oder Wechsel derselben vor. Auch die von den Eltern geschilderte Lebensqualität war in beiden Gruppen gleich. In dieser Subgruppe von Kindern (medianes ­Alter etwa 3⅓ Jahre) kann (und soll?) man also auf eine primäre und vor alle blinde Therapie verzichten.

Pediatrics 2020, doi.org/10.1542/peds.2019-3138
Verfasst am 21.03.2020.

Welche ist Ihre Differentialdiagnose?

Ein 65-jähriger, griechischer Bauer leidet seit einem Monat an orthostatischem Schwindel (bis zur Bewusstlosigkeit) und schwerer Müdigkeit. Er macht ­einen kachektischen Eindruck, Schleimhäute und Haut sind dunkel oder gebräunt. Im Thorax-Röntgen/ Thorax-Computertomogramm (CT) findet man einen gut 2×2 cm messenden Rundherd und eine mediastinale, nicht kalzifizierte Lymphadenopathie. Welche Verdachts- oder Differentialdiagnose stellen Sie?

A    Metastasierendes Bronchialkarzinom
B    Tuberkulose
C    Histoplasmose
D    Sarkoidose
E    Malignes Lymphom

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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