access_time veröffentlicht 16.10.2019

Kurz und bündig Heft 43/44, Teil 2

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig Heft 43/44, Teil 2

16.10.2019

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Aus Schweizer Feder

Systemische Komorbiditäten bei chronischer Niereninsuffizienz

Mit dem progredienten Abfall der Nierenfunktion ist auch eine Retention des Phosphates verbunden. In diesem Prozess vermag das in den Osteozyten gebildete Hormon FGF-23 («fibroblast growth factor») lange Zeit in dem Sinne korrigierend zu wirken, als es via seinen ­Korezeptor (Alpha-Klotho) in den überlebenden Ne­phronen die Phosphatausscheidung erhöht, aber auch die intestinale Aufnahme des diätetisch zugeführten Phosphates durch Suppression des 1,25(OH)2D hemmt.

Bislang war es aber schwierig gewesen zu zeigen, dass die FGF-23-Produktion durch Phosphatrestriktion (wie mit Diät und sog. Phosphatbindern) auch effektiv gehemmt werden kann. Egli und Mitarbeiter von der ­Universität Zürich haben nun gefunden, dass FGF-23 nicht nur durch Phosphat, sondern auch durch die bei chronischen Nierenerkrankungen universell präsente Entzündung, dabei namentlich den «tumor necrosis factor» (TNF), stimuliert wird. Interessanterweise übt der FGF-23 seinerseits einen stimulierenden Effekt auf die Sekretion des TNF und anderer Zytokine aus, was quasi einen Teufelskreis in Gang setzen könnte. Somit ergibt sich pathophysiologisch eine selbst unterhaltende systemische Entzündung, wobei FGF-23 eine ­potenzierende Rolle spielt und selber durch seine negativen Effekte auf Kardiomyozyten und glatte Gefässmuskelzellen zur linksventrikulären Hypertrophie und Progression der urämischen Arteriopathie beiträgt. Wichtige Resultate für bessere Therapieansätze!

Kidney Int. 2019, doi.org/10.1016/j.kint.2019.04.009

Verfasst am 24.09.2019.

© Albund | Dreamstime.com

Auch noch aufgefallen

«Liquid biopsy» besser als Tumorhistologie

Der Terminus «liquid biopsy» wurde zunächst auf die zytologischen Präparate angewendet, die in einer Flüssigkeitsuspension und nicht als Ausstriche auf einem Objektträger asserviert wurden. Heute versteht man darunter den Nachweis zirkulierender, sogenannter zellfreier DNA. Bei 42 Patient(inn)en mit molekular gut charakterisierten kolorektalen Karzinomen und einer erworbenen Resistenz auf spezifische Tumor­therapien wurde die diagnostische Aussagekraft von zirkulierender, zellfreier DNA («liquid biopsy») mit der molekularen Analyse im Tumorgewebe verglichen. Die «liquid biopsy» war der molekularen Analyse im isolierten Tumorgewebe bezüglich der Natur klinisch ­relevanter, molekularer Resistenzmechanismen deutlich überlegen.

Diese Resultate sind für die erworbenen Tumorresistenzen, zumindest bei diesen Tumoren, und der Entwicklung neuer Medikamente von Relevanz. Die Überlegenheit der «liquid biopsy» könnte unter anderem damit zusammenhängen, dass erworbene Resistenzen zu Aggressivitätssteigerungen der Zellen und damit einer wahrscheinlicheren Absonderung ins Blutsystem führen.

Nat Med. 2019, doi.org/10.1038/s41591-019-0561-9

Verfasst am 24.09.2019

© Peter Schreiber | Dreamstime.com

Ein kurz und bündiger Fall

Kunstklappen-Endokarditis im PET/CT

Aus zeitlichen Gründen konnten wir leider diese ­eindrückliche Demonstration einer PET-CT-Untersuchung einer Kunstklappen-Endokarditis nicht mit dem dazu gehörenden Hinweis aus der Literatur und dem makroskopisch-pathologischen Bild der Endokarditis ­einer nativen Aortenklappe publizieren (s. «Kurz und bündig», SMF 39/40, «Für Ärztinnen und Ärzte am Spital: Bildgebung bei infektiöser Endokarditis der Klappenprothesen» [1]).

Wir möchten Ihnen diese instruk­tiven PET-CT-Befunde an dieser Stelle nachliefern. Für den Fall und die Bilder bedanken wir uns ganz herzlich bei Herrn Prof. A. Rominger, Universitätsklinik für ­Nuklearmedizin, Inselspital, Bern. Der Fall: PET-CT (2019) bei Status nach Aortenwurzel-Ersatz mit einem biologischen Composite-Graft (27 mm) bei bikuspider Aortenklappe 2013 sowie Status nach mehr­fachen Bakteriämien bei jeweils unklarem Fokus. Aktuell Sepsis mit beta-hämolysierenden Streptokokken Gruppe C mit Differenzialdiagnose (DD) Endokarditis lenta bei Status nach Bio-Aortenklappenersatz / Compo­site und Verdacht auf paravalulären Abszess; DD Kunst­klappen-Endokarditis Graft-Infekt.

1 Swiss Med Forum 2019, doi.org/10.4414/smf.2019.08388

Medizinische Depeschenagentur

Welche Intervention bei Varizen?

Die Lebensqualität in den fünf Jahren nach einer – falls ­indizierten – interventionellen Varizenbehandlung war besser nach Laserablation und Chirurgie als nach der Sklerotherapie. Bedingung (in Schottland) ist, dass man bereit ist, pro QALY («quality adjusted life year») mindestens 20 000 Pfund auszulegen.

N Engl J Med. 2019, doi.org/10.1056/NEJMoa1805186

Verfasst am 24.09.2019.

© Michael Drager | Dreamstime.com

Medizinische Depeschenagentur

Pathogenere Streptkokken unter uns

Wir hatten schon auf die Zunahme von Infekten mit Streptococcus pyogenes invasiverer Art und die Zunahme von Scharlachfällen (seit 2014) vor allem in den Monaten März bis Mai (betroffen insbesondere Kinder im Vorschulalter) hingewiesen («Scharlach wieder unter uns» [1]). Genotypische Analysen in Grossbritannien [2] zeigen nun, dass eine Reihe von genetischen Alterationen in diesen Streptokokken aufgetreten sind, die insgesamt die Expression und Produktion des Exotoxins SpeA erhöhen und somit die höhere Inva­sionskraft erklären könnten.

1 Swiss Med Forum 2018, doi.org/10.4414/smf.2018.03252

2 Lancet Infect Dis. 2019, doi.org/10.1016/S1473-3099(19)30446-3

Verfasst am 24.09.2019.

© Hongqi Zhang (aka Michael Zhang) | Dreamstime.com

Nicht ganz ernst gemeint

Zu alt, um Präsident zu werden?

Sollte Donald Trump (aktuell – im September 2019 – 73,4 Jahre alt) wiedergewählt werden, hätte er ab dem Inaugurationstag im Januar 2021 eine Chance von 15%, während der zweiten Amtszeit zu versterben. Im Sinne positiven Denkens, was sich hier nicht unbedingt spontan einstellt, wäre die Überlebenswahrscheinlichkeit dann 85%. Solche und ähnliche Fragen stellt sich die «American Federation for Aging Research».

JAMA 2019, doi.org/10.1001/jama.2019.14329

Verfasst am 23.09.2019.

© Patrick Barry | Dreamstime.com

 

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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