access_time veröffentlicht 03.10.2019

Kurz und bündig Heft 41/42, Teil 2

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig Heft 41/42, Teil 2

03.10.2019

Lesen Sie die neuesten "Kurz und bündig"-Beiträge hier.

Für Ärztinnen und Ärzte am Spital

Elektive Kolektomie: Darmvorbereitung obsolet?

Laut einer finnischen Studie sollen die Kolonentleerung und präoperative Antibiose nicht besser als ein Verzicht auf diese Massnahmen bei elektiv planbaren Kolektomien sein. Die Operationszeiten lagen zwischen 180 und 240 Minuten, knapp 80% der Kolektomien wurden laparoskopisch vorgenommen. 209 Patient(inn)en wurden mit 2 l Polyethylenglykol (plus 1 l zusätzliche Flüssigkeit) und am Vorabend mit je 2 g Neomycin und Metronidazol (p.o., voneinander getrennt mit Abstand von 4 Stunden) vorbereitet.

Es wurden keine signifikanten Unterschiede in der Frequenz von Anastomoseninsuffizienzen (beide Gruppen 4%) und Situs-Infekten (7% in der Vor­bereitungsgruppe versus 11% in der Gruppe ohne Vor­bereitung) gefunden. Statistisch nicht signifikant, aber auffällig war, dass in der unvorbereiteten Gruppe zwei Patienten innerhalb von 30 Tagen verstarben (1× gastrointestinale Blutung mit 2 Relaparatomien, 1× Aspira­tionspneumonie). Gerne würde man wohl diese Stu­dienresultate bestätigt sehen, bevor die gegenwärtigen Richtlinien geändert werden.

Lancet 2019, doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31269-3

Verfasst am 08.09.2019.

© Arne9001 - Dreamstime.com

Für Ärztinnen und Ärzte am Spital

Delirium im Spital: Prävention und Therapie

Wegen ihrer beachtlichen Medienaufmerksamkeit soll auf zwei systematische Reviews hingewiesen werden, die keine Evidenz fanden, dass Haloperidol oder Neuroleptika der zweiten Generation (wie Risperidon, Quetiapin, Olanzapin u.a.) in der Lage wären, ein Delirium im Spital sowohl präventiv als auch therapeutisch positiv zu beeinflussen. In altmodischer Weise, nämlich geprägt durch langjährige Beobachtungen, gibt es kurz und bündige Vorbehalte gegen diese lapidare Schlussfolgerung. Die Heterogenität der Spital­situationen, der Medikamente, deren Dosen und deren Komedikationen sind andere Gründe dafür.

Gut an solchen Reviews ist, dass sie auf mögliche Lücken in der Evidenz hinweisen. Angesichts der enormen Bedeutung des Delirs ist eine Klärung der aufgeworfenen Frage wichtig und dringend.

Ann Intern Med 2019, doi.org/10.7326/M19-1860 und doi.org/10.7326/M19-1859

Verfasst am 08.09.2019.

© Tenrook | Dreamstime.com

Neues aus der Biologie

Genetik der gleichgeschlechtlichen ­Lebensführung

Nicht ganz überraschend findet eine sogenannte «­genome wide association study» (GWAS) unter Verwendung von genetischen Daten von fast 500 000 Menschen vorwiegend aus Grossbritannien (UK-Biobank-Daten), aber auch den USA und Schweden, dass die gleichgeschlechtliche Lebensführung nicht durch ein oder ein paar wenige Gene bedingt ist. Wie viele ­andere Verhaltenscharakteristika wird sie durch eine Vielzahl von Genvarianten mitgeprägt. Die Bedeutung der einzelnen oder Gruppen von Genvarianten ist im Einzelfall ungeklärt. Auch die Interaktion gewisser Genvarian­ten mit erworbenen, soziokulturellen und anderen Umwelteinflüssen ist unklar.

Bemerkenswert an dieser Arbeit ist, dass die Resultate vor der definitiven Ma­nuskriptverfassung und Publikation im Rahmen von Workshops unter anderem mit Beteiligung gleichgeschlechtlich lebender Menschen diskutiert wurde.

Science 2019, doi.org/10.1126/science.aat7693

Verfasst am 08.09.2019.

© Teodor Lazarev | Dreamstime.com

Immer noch lesenswert

Morbus Addison

1855 beschrieb Thomas Addison eine später nach ihm ­benannte Insuffizienz der von ihm noch als «capsulae suprarenales» bezeichneten Nebennieren. Alle der sechs beschriebenen Patient(inn)en hatten eine Nebennieren-Tuberkulose. Der Terminus «Morbus Addison» wurde in der Folge aber nicht auf eine tuberkulöse Adrenalitis beschränkt, sondern auf alle Formen, heute meist eine (autoimmune) lymphozytäre Entzündung, ausgeweitet. Eine instruktive, kurze Review über die ersten 100 Jahre der Medizingeschichte der Nebenniereninsuffizienz ist nachstehend referenziert und frei zugänglich.

Proc R Soc Med. 1950, doi.org/10.1177/003591575004300105

Verfasst am 08.09.2019.

© Olya Solodenko - Dreamstime.com

Auch noch aufgefallen

Postmenopausaler Hormonersatz und Mammakarzinomrisiko

Die «Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer» hat prospektiv erhobene, publizierte Daten von Frauen mit postmenopausal diagnostiziertem Mammakarzinom zusammengestellt. Bei fast 109 000 Frauen wurde durchschnittlich im Alter von 65 Jahren ein Mammakarzinom diagnostiziert.

Eine Reihe von In-vitro-Berechnungen musste wegen verschiedener Präparate, unterschiedlicher Expositionsdauer und anderem mehr durchgeführt werden. Diese zeigten einen fast linearen Effekt der onkogenen Nebenwirkung. Bei 5-jährigem Ersatz betrug die Häufigkeit bei Kombination von Östrogen/kontinuierlichem Gestagen 2%, bei Kombination von Östrogen/intermittierendem Gestagen 1,4% und bei reinem Östrogen­ersatz 0,5%. Alle Zahlen waren bei mindestens zehn Jahren Ersatz ziemlich genau verdoppelt.

Lancet 2019, doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31709-X

Verfasst am 03.09.2019.

© Pinkomelet | Dreamstime.com

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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