access_time veröffentlicht 28.01.2020

Kurz und bündig Heft 7/8, Teil 1

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig Heft 7/8, Teil 1

28.01.2020

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Fokus auf … Testosteronsubstitution

Trotz nach wie vor eher dürftiger Wirksamkeitsevidenz (weder ganz klare Beweise für noch gegen einen Nutzen) publiziert das «American College of Physicians» folgende Empfehlungen für erwachsene Männer mit alters­korrigiert tiefem Testosteron:

  • Testosteron zur gewünschten Steigerung sexueller Funktionen vertretbar.
  • Periodische Überprüfung des Effektes (initial nach 12 Monaten, allenfalls dann absetzen).
  • Kein Testosteron zur Beeinflussung von Vitalität/Energielosigkeit, physischer Kraft oder kognitiven Fähigkeiten.
  • Aus Kostengründen sollen intramuskuläre den transdermalen Präparaten vorgezogen werden.

Ann Int Med 2020, doi.org/10.7326/M19-0882
Verfasst am 11.01.2020.

Eine Zusammenfassung der Wirksamkeitsevidenz und der Sicherheitsaspekte von Testo­steron, die für die Diskussion mit dem Patienten hilfreich sind, wird ebenfalls mitgeliefert (Ann Int Med. 2020, doi.org/10.7326/M19-0830).

Praxisrelevant

Prävention der akuten Pankreatitis

Exzessiver, prolongierter Alkoholkonsum und Gallensteine sind die wichtigsten, aber präventiv auch schwie­rig anzugehenden Ursachen einer akuten Pankreatitis. Diese stellt eine der häufigsten gastroenterologischen Gründe für eine Notfallaufnahme dar. Da jedoch «nur» 3% alkoholkranker Patient(inn)en und 8% der Patient(inn)en mit Gallensteinen je eine Pankreatitis erleiden, stellt sich die Frage nach weiteren Auslösern. In einer grossen Population von 118 000 Dän(inn)en, erwies sich erneut ein erhöhtes Körpergewicht (Body-Mass-Index) als Risikofaktor für eine Pankreatitis. ­Somit ist wahrscheinlich auch die weltweite Zunahme der Pankreatitis miterklärt. Ein grosser Teil der ­Asso­ziation mit dem Übergewicht dürfte durch die ­be­gleitende Hypertriglyzeridämie erklärbar sein. Pathogenetisch bestehen zwei Theorien zur Pankreatitis­entstehung bei Hypertriglyzeridämie: (1) ischämisch durch Reduktion des pankreatischen Blutflusses (Chylomikronen, Hyperviskosität) oder – in einer Normalpopulation wahrscheinlicher – (2) Lipotoxizität lokal freigesetzter Fettsäuren für die azinären und duktalen Zellen des Pankreas (mit Aktivierung der Autodigestion). Ein weiterer Grund fürs Abnehmen und für die Senkung der Triglyzeride, Interventionsstudien zur Klärung bestehen jedoch nicht.

J Clin Endocrinol Metab. 2020, doi.org/10.1210/clinem/dgz059
Verfasst am 13.01.2020.

Praxisrelevant

Alkoholkarenz bei Vorhofflimmern: wirksam!

Früher wurde es das «holiday heart» genannt: Patient(inn)en, die im Anschluss an das Wochenende mit Vorhofflimmern zur Konsultation kamen. Erhöhter Alkoholkonsum wird für grob einen Drittel der Fälle von Vorhofflimmern, inklusive auch Therapieversagen/Rezidiv nach Ablation, verantwortlich gemacht. Ursächlich dürften unter anderem direkte kardiale Wirkungen und systemische Veränderungen durch Alkohol (Hypertonie, Entzündung) sowie Veränderungen der autonomen Nervenaktivität (z.B. Sympathikusaktivierung durch Alkoholmetabolite wie Azetaldehyd) wichtig sein. 70 (85% Männer) australische Patient(inn)en mit paroxysmalem oder persistierendem Vor­hofflimmern und Alkoholkonsum von mehr als 120 Gramm pro Woche (mindestens 12 Drinks) wurden zur Abstinenz animiert und mit 70 vergleichbar konsumierenden Patient(inn)en mit Vorhofflimmern ohne Abstinenz verglichen. Die Abstinenzgruppe konnte den Alkoholkonsum auf etwa ⅛ des Vorkonsums senken (von 17 auf 2 Drinks pro Woche). Die Wahrscheinlichkeit, einen Rückfall des Vorhofflimmerns zu erleiden, sank innerhalb von 14 Tagen (53% versus 73% in der Kontrollgruppe) und die Rezidive an sich wie auch die Zeitdauer mit Vorhofflimmern waren über sechs Monate deutlich seltener respektive tiefer. Also eine wirksame Intervention, allerdings mit bekannt schwieriger Umsetzung!

N Engl J Med. 2020, doi.org/10.1056/NEJMoa1817591
Verfasst am 10.01.2020.

Praxisrelevant

Fragilitätsdiagnose aus dem Routinelabor?

Eine relevante Fragilität klinisch zu erkennen, ist für die Betreuung älterer Patient(inn)en sehr wichtig. Aller­dings ist die Diagnose in der akuten Situation nicht sehr einfach und wird wahrscheinlich häufig nicht gestellt. 1750 etwa 85-jährige Patient(inn)en (55% Frauen) wurden in Rahmen von total 2552 Notfall­zuweisungen in einem Zentrum in England klinisch und labormäs­sig untersucht. Ein unter Verwendung von 27 in der Mehrzahl meist sowieso vorgenommenen Routineparametern errechneter Fragilitätsindex war in der Lage, Mortalität, Hospitalisationsdauer, Verlegung in Pflegeheime oder Rehospitalisationen zu­verlässig vorauszusagen. Die Qualität dieser Aussagen erfordert eine Baseline-Untersuchung mit diesen Parametern und schien mit derjenigen der klinischen ­Analyse vergleichbar. Ob auch Behandlungsqualität, Verlauf und allenfalls Ressourcenallokation durch ­Bestimmung, respektive Bewusstwerden verbessert werden, bleibt noch zu zeigen.

CMAJ 2020, doi.org/10.1503/cmaj.190952
Verfasst am 06.01.2020.

Praxisrelevant

Trampolin-Frakturen bei Kindern

Kurz und bündig sind die Trampolin-Eskapaden der Enkeltöchter nicht immer stressfrei zu beobachten. 95% der Trampolin-Unfälle geschehen zuhause, 50% davon sind Weichteilverletzungen, zirka 30% Frakturen mit etwa gleicher Verteilung der oberen und unteren Extremitäten, in etwa 2,5% der Fälle liegt (auch) eine traumatische Hirnschädigung vor. Die Unfälle betreffen vorwiegend acht- bis zehnjährige Kinder [1]. In den zehn Jahren zwischen 2008 und 2017 hat sich die Tendenz der zunehmenden Inzidenz von Trampolin-Frakturen ­früherer Dekaden fortgesetzt (bevölkerungskorrigierte Zunahme um 50%). Basierend auf der Beobachtung, dass die Notwendigkeit einer stationären Behandlung nicht disproportional zunahm, kann man hoffen, dass keine Tendenz zu schwereren Frakturen besteht. Allerdings verlagerte sich der Unfallort von zuhause auf Park- und Sportanlagen [2]. Konsequenz für die Unfallprävention?

1   Acad Emerg Med. 2007, doi.org/10.1197/j.aem.2007.01.018
2   Pediatrics 2020, doi.org/10.1542/peds.2019-0889
Verfasst am 12.01.2020.

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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