access_time veröffentlicht 04.02.2020

Kurz und bündig Heft 7/8, Teil 2

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig Heft 7/8, Teil 2

04.02.2020

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Für Ärztinnen und Ärzte am Spital

Was tun bei fehlender Impfantwort auf ­Hepatitis B?

Aufgrund der tiefen Prävalenz einer chronischen ­Hepatitis-B-Infektion (0,2% der Gesamtbevölkerung) kann man sich bei uns auf die Vakzinierung von Risiko­populationen, wie etwa Mitarbeiter(inn)en im Spital oder in der Praxis, beschränken. Wie soll man aber bei den an­geblich 5–30% aller Geimpften, die keine protektive Antikörperantwort aufweisen, vorgehen? 480 gesunde holländische Erwachsene, die nach einer lege artis durchgeführten Immunisierung (mit den Impfstoffen Engerix® oder HBVAVPRO®) keine protektiven Anti-HBs-Antikörper-Titer (<10 IU/l) erreichten, wurden in vier Gruppen randomisiert: Kontrolle, Revakzinierung (3 Dosen) mit HBVAVPRO®-40 oder Twinrix® oder Fendrix®. In der Kontrollgruppe erreichten immerhin 38% Titer von später >100 IU/l, dies wurde jedoch von allen drei Impfstoffen übertroffen. In dieser Population erreichten mit Fendrix® 47%, mit HBVAXPRO®-40 55% und mit Twinrix® 67% der Revakzinierten einen Titer von >100 IU/l.

Lancet Infect Dis. 2020, doi.org/10.1016/S1473-3099(19)30417-7
Verfasst am 10.01.2020.

 

Neues aus der Biologie

Noch eine neue Aufgabe für Metformin?

Der therapeutische Kampf gegen Malaria ist gegen­wärtig schwierig, weil immer noch keine effektive Impfung zur Verfügung steht und die Resistenz der ­Parasiten gegen diverse Antimalarika zunimmt. Während der initialen hepatischen Phase der Malaria vermehren sich die Parasiten intrazellulär, sind relativ vor Therapieeffekten geschützt und treten dann mehr­tausendfach multipliziert in die Blutbahn über. Metformin könnte wirksam während dieser hepatischen Phase sein. Dieses Biguanid war anscheinend in den 1940ern schon in der Malariatherapie evaluiert, aber nicht weiter entwickelt worden, weil es zwar wirksam gegen die Parasitämie war, aber als Einzelsubstanz eine schnelle Resistenz induzierte. Die prophylaktische Gabe von Metformin hemmte nun bei Mäusen das in­trazelluläre Parasitenwachstum (Plasmodium falciparum) in Hepatozyten. Kann dieser Effekt auch bei tolerierbaren Metformin-Dosen beim Menschen erreicht werden? Die prophylaktische Wirksamkeit wurde potenziert durch eine konkomittierende, etablierte Malariatherapie/-prophylaxe (siehe Abbildung). Diabetes, adjuvante Therapie bei Krebserkrankungen, Förderung der Langlebigkeit und nun auch noch Malaria­prophylaxe für Metformin?

JCI Insight 2020, doi.org/10.1172/jci.insight.127441
Verfasst am 13.01.2020.

 

Auch noch aufgefallen

Führen Spitalübernahmen zu schlechterer Behandlungsqualität?

Nein, laut einer US-Studie, zumindest führten diese weder zu vermehrten Rehospitalisationen noch erhöhter Mortalität, allerdings bei leicht geringerer Patientenzufriedenheit. Ein Effekt auf Prozessqualitäten konnte nicht eindeutig etabliert werden, wohl weil die übernommenen Spitäler angesichts der drohenden Übernahme ihre Prozesse bereits zu optimieren versucht hatten.

N Engl J Med. 2020, doi.org/10.1056/NEJMsa1901383
Verfasst am 10.01.2020.

 

Auch noch aufgefallen

«Asymptomatischer» primärer Hyperpara­thyreoidismus und koronare Herzkrankheit

Patient(inn)en mit primärem Hyperparathyreoidismus wiesen im Vergleich zu einer normalen Kontrollpopulation signifikant mehr höhere, mittels Computertomographie gemessene sogenannte koronare Kalzifizierungsindices («coronary calcification scores») auf. Diese Beobachtung ist kompatibel mit der bekannt erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität von Patient(inn)en mit Hyperparathyreoidismus. Eine kardiovaskuläre Risikoabschätzung sollte wohl Bestandteil der Abklärung und des Operationsentscheides sein.

Surgery 2020, doi.org/10.1016/j.surg.2019.05.094
Verfasst am 11.01.2020.

Das hat uns nicht gefreut

Enttäuschung bei der Verhinderung von Knochenmetastasen beim Mammakarzinom

In einer beeindruckend grossen, plazebokontrollierten Studie (je gut 2200 Patientinnen mit mindestens 5 Jahren Nachbeobachtung) vermochte eine intensive, adjuvante Denosumab-Therapie (120 mg s.c. alle 3–4 Wochen in den ersten 6 Monaten, dann alle 12 Wochen) weder das Auftreten von Skelettmetastasen zu verhindern noch das krankheitsfreie Überleben allgemein zu verlängern. Knochenmetastasen traten in beiden Gruppen etwa bei jeder sechsten Patientin auf. Siehe auch die Angaben zum Hintergrund der Studie im Anschluss (Kasten).

Lancet Oncol. 2020, doi.org/10.1016/S1470-2045(19)30687-4
Verfasst am 11.01. 2020.

 

Hintergrundinformation zur ­Mammakarzinomstudie

Bei Patientinnen mit ossär metastasiertem Mammakarzinom führt die zusätzliche Behandlung mit einem die osteoklastäre Knochenresorption hemmenden Me­dikament zu einer Verlang­samung des Auftritts klinisch symptomatischer Komplikationen (u.a. Frakturen), mit Vorteilen für Denosumab (in der Onkologie: XGEVA®) gegenüber Zoledronat (absolut ca. 8 Monate). Der ­Effekt wird der Hemmung der metastasenassoziierten Knochenresorption, aber auch der Hemmung von tumorfördernden Wachstumsfaktoren aus dem resorbierten Knochen zugeschrieben.

Die Effekte einer adjuvanten Knochenresorptionshemmung bei Patientinnen mit frühen Stadien eines Mammakarzinoms (ohne Skelettmetastasen) sind jedoch unklar. Bisphosphonate zeigten unterschiedliche Resultate, möglicherweise (aber nur durch eine Metaanalyse suggeriert) wirken sie lediglich bei zum Zeitpunkt der Diagnose postmenopausalen Frauen. Denosumab wird aktuell vorwiegend zur Prophylaxe der Osteoporose im Rahmen der onkologischen, hormonmodulierenden Therapie angewendet.

Und das hat uns nachdenklich gestimmt

Umweltverschmutzung und ­Demenzentwicklung

Diverse epidemiologische Studien haben eine Asso­ziation zwischen Umweltverschmutzung – spezifischer der Exposition (Dauer und Konzentration) gegenüber inhalierten Feinpartikeln von <2,5 μm – und Risiko einer Demenz (Alzheimer und andere Formen) beschrieben. Ist dabei etwas daran? Laut einer pro­spektiven Kohortenstudie mit knapp 1000 73- bis 87-jährigen Frauen (im Rahmen der «Women’s Health Initiative») wurde die umweltbedingte Exposition gegenüber diesen Partikeln mit Hirn-MRI-Befunden und einem klinischen Test auf Qualität des verbalen episodischen Gedächtnisses verglichen. Diese Gedächtnisqualität, spezifisch die Fähigkeit, sich innerhalb des ­adäquaten Kontextes an Details des täglichen Lebens aktuell oder in der Vergangenheit zu erinnern, ist ein Schlüsselsymptom zur Diagnose einer präklinischen Alzheimer-Erkrankung. In der vorliegenden Arbeit wurde ein Kontinuum der Assoziation von verschiedenen Intensitäten der Umgebungspollution und funk­tionellen und anatomischen Hinweisen auf eine Neurotoxizität gefunden. Die Assoziation blieb signifikant auch nach Korrektur für ischämisch bedingte Hirn­erkrankungen.

Brain 2020, doi.org/10.1093/brain/awz348
Verfasst am 13.01.2020.

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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