Aktuell

Die Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie (SGP/SSP)

Für eine patientenzentrierte, ­partnerschaftliche Lungen- und Schlafmedizin in der Schweiz

Sonja Bietenhard, Martin Brutsche

DOI : https://doi.org/10.4414/smf.2018.03241
Veröffentlichung : 27.06.2018
Swiss Med Forum. 2018;18(2627):577-578

Die Schweizer Lungenfachärztinnen und -ärzte spielen – zusammen mit den Grundversorgern – eine tragende Rolle bei der Bewältigung von Lungenkrankheiten und schlafmedizinischen Problemen, die in der Schweiz weit über eine Million Menschen betreffen, von denen viele chronisch krank oder sogar multimorbid sind.

Die Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie (SGP) vertritt als standespolitische Fachgesellschaft die Pneumologinnen und Pneumologen der Schweiz, zu deren Kernkompetenz neben der Behandlung der klassischen respiratorischen Krankheiten auch schlafbezogene Atemstörungen, die Tuberkulose und pulmonale Rehabilitation gehören. Grossen Wert legt die ­Gesellschaft auf die Förderung junger Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, auf Forschungsförderung, auf Innovationen im Bereich der meist chronischen Erkrankungen sowie auf ein gutes Netzwerk mit befreundeten Gesellschaften im In- und Ausland und mit der Lungenliga Schweiz. Die SGP engagiert sich auch in der Gesundheitsförderung (z.B. Rauchstopp-Programme, pulmonale Rehabilitation), Prävention (v.a. Rauchen, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen [COPD], Lungenkrebs) und Früherkennung (z.B. COPD, Lungenkrebs).

«Structure follows strategy»

Angesichts des gesellschaftlichen Wandels, gestiegener Anforderungen und Erwartungen hat sich die SGP 2017/18 einen Strukturwandel verordnet, der drei Entwicklungen unterstützt:

1. Nähe zur Mitgliederbasis,

2. Interprofessionalität;

3. Partnerschaften.

Anstelle der ehemaligen geschlossenen Arbeitsgruppen wurden neu sogenannte «Special Interest Groups» gebildet. Sie entsprechen einem offenen Format und bündeln die Krankheits- oder Therapiegebiete. So stehen sie neu allen SGP-Mitgliedern offen und unterstützen eine bidirektionale Kommunikation. Dergestalt kann sich die Mitgliederbasis optimal einbringen («bottom up»). Im Gegenzug können wichtige Erkenntnisse, zum Beispiel Guidelines, konsequenter zur Basis gelangen und umgesetzt werden («top down»).

Die SGP hat sich 2017 zudem für assoziierte, nichtärztliche Mitglieder («allied health professionals») geöffnet. Moderne Medizin findet heute meist in Teams mit ärztlichen und nichtärztlichen Mitarbeitern statt. Es ist der SGP deshalb wichtig, den verschiedenen Berufsgruppen rund um die Lungen- und Schlafmedizin eine gemeinsame Plattform zu bieten, um gezielt interprofessionelle Entwicklungen zu unterstützen.

In Bezug auf Partnerschaften hat sich die SGP zur Fach-Allianz mit der «European Respiratory Society» (ERS) bekannt. Ebenso bestehen offizielle und persönliche Verbindungen zu den amerikanischen Gesellschaften «American Thoracic Society» (ATS) und «American College of Chest Physicians» (CHEST), was im 2017 zu einer Joint Conference zwischen CHEST und SGP führte. Von ebenso grosser Bedeutung ist die formalisierte, intensive Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie (SGPP) und neu seit 2017 der Schweizerischen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (SGT).

Aus-, Fort- und Weiterbildung / ­Zertifizierungen

Wie alle Fachgesellschaften zeichnet die SGP für die Weiterbildung bis zum Erwerb des Facharzttitels ebenso verantwortlich wie für ein breites Angebot an Fortbildungen. In den Verantwortungsbereich gehört auch die Zertifizierung von spezifischen Anwendungsgebieten wie die respiratorische Polygraphie, die ­Befähigung für dosisintensives Röntgen oder die ­stationären und ambulanten Programme für pulmonale Rehabilitation. Die SGP engagiert sich aber auch im ­Bereich der Weiterbildung von nichtärztlichen Fachpersonen: Seit 2006 hat sie gemeinsam mit der Lungenliga die Trägerschaft der Berufsprüfung ­«Beraterinnen, Berater für Atembe­hinderungen und Tuberkulose» inne. Bis heute konnten 164 eidgenössische Fachausweise verliehen werden. Und 2019 starten die ersten Vorbereitungskurse zum Erwerb des eidgenössischen Diploms «Fachexpertin, Fachexperte Respiratory Care», das die Kompetenz ver­mittelt, um unter anderem Patientinnen und Patienten mit schwerer Schlafapnoe oder Heimbeatmung ambulant zu betreuen.

Forschung und Innovation im Bereich Atmung, Lunge und Schlaf

Aufgrund der grossen und weiter zunehmenden Bedeutung der nichtübertragbaren Erkrankungen und den daraus entstehenden Kosten im Gesundheitswesen kommt der Forschung und Innovation ein hoher Stellenwert zu. Gemeinsam mit der Lungenliga fördert die SGP Jungforscher durch jährlich ausgeschriebene Preise und Projektunterstützung im Rahmen des Lungenliga-Forschungsfonds. Im derzeitigen Themenfokus stehen beispielsweise die Früherkennung von Krankheiten, Immuntherapien bei Bronchialkarzinomen, Biologika bei schwerem Asthma oder die neue Ära ohne inhalierte Steroide bei COPD. Immanente Innovationen sind auch bei der nichtinvasiven Beatmung und der High-Flow-Therapien bei Typ-1-respiratorischem Versagen absehbar.

Jahreskongress

Die Jahresversammlung mit dem Jahreskongress wird jeweils an einem wechselnden, attraktiven Ort in der Schweiz gemeinsam mit der SGPP und der SGT durchgeführt. Jedes zweite Jahr findet die Tagung zusammen mit einer anderen medizinischen Fachgesellschaft statt. Die diesjährige Jahresversammlung fand vom 24.–25. Mai in St. Gallen statt – gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin (SGARM), der Schweizerischen Gesellschaft für Prävention und Gesundheitswesen (SGPG), der Schweizerischen Gesellschaft für Pulmonale Hypertonie (SGPH) sowie der ERS. Die Schwerpunkte der Tagung umfassten – ganz im Sinne der im ­Gesundheitswesen nötigen Veränderungen – Verhinderung, Früherkennung und Behandlung von nichtübertragbaren Erkrankungen im Bereich der Lungengesundheit.

Herausforderungen partnerschaftlich angehen

Die SGP ist für die Zukunft gerüstet und möchte sich den kommenden Herausforderungen proaktiv stellen. Die Fähigkeit und der Wille, gemeinsam mit den entscheidenden Partnern an der Weiterentwicklung des Fachbereichs mit Blick auf das ganze Gesundheits­wesen mitzuwirken, sind vorhanden. Dazu gehören in vermehrtem Masse auch Anstrengungen im Bereich Patientenedukation/Befähigung im digitalen Zeitalter und Weiterentwicklungen zu einer umfassenden, ­qualitativ hochstehenden, wirkungsvollen und konsistenten Betreuung von chronisch kranken Menschen. Gleichzeitig steigt der Kosten- und Zeitdruck enorm an. Die Balance zwischen einer berechtigten Standespolitik und dem richtigen Kostenbewusstsein, das Schritthalten mit neuen und erfolgversprechenden Verfahren sowie die Weiterentwicklung des Fach­bereichs werden unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren auf Trab halten.

Sonja Bietenharda, MSc; Prof. Dr. med. Martin Brutscheb

a Swiss Lung Association, Bern; b Präsident 2016–2018 Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie (SGP/SSP), Bern

SB has nothing to disclose except the fact, that she was Director of the Swiss Lung Association and therefore Board member of the Swiss respiratory society. MB has reported no financial support and no other potential conflict of interest relevant to this article .

Kopfbild : © Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie / Société Suisse de Pneumologie (SGP/SSP)

Korrespondenz:
Prof. Dr. med.
Martin Brutsche
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