access_time veröffentlicht 02.12.2018

Sarkopenie – bald eine bessere Therapie?

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Neues aus der Biologie

Sarkopenie – bald eine bessere Therapie?

02.12.2018

Die Sarkopenie des alternden Menschen erfüllt gemäss Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kriterien einer Krankheit per se (ICD-10 Code: M62.50), vor allem wegen des dadurch wahrscheinlicher werdenden Verlustes der Autonomie. Trotzdem wird die Dia­gnose oft nicht gestellt oder es werden keine objektiven, reproduzierbaren Kriterien angewendet (siehe Tab. 1). In der Genese der Sarkopenie spielen unter anderem altersabhängige Störungen der mitochondrialen Energieproduktion, reaktive Sauerstoffradikale und eine gestörte Autophagie eine wichtige Rolle. Diese Veränderungen und die Sarkopenie selber können bis zu einem gewissen Grad durch körperliche Aktivität verbessert werden.

Bisherige medikamentöse Therapien wie Dehydroepiandrosteron (DHEA), Testosteron oder Wachstumshormon sind von zweifelhafter Wirkung, aber von weniger zweifelhaften Nebenwirkungen geprägt. Durch ­repetitive Muskelkontraktionen wird ein Peptid (Apelin) aus dem Muskel freigesetzt, das ­positiv mit körperlicher Aktivität korreliert (deshalb wird es als sogenanntes Exerkin klassifiziert), aber gleichwohl altersabhängig absinkt. Die intraperitoneale Applikation von Apelin konnte bei alternden und Apelin-Knock-out-Mäusen (die eine galoppierende Sarkopenie aufweisen) die oben erwähnten metabo­lischen ­Veränderungen massiv verbessern und die Sarkopenie eindrücklich korrigieren. Das muskuläre ­Apelin scheint also als autokriner Faktor bei körperlicher Belastung die Muskelmasse im Sinne eines positiven Feedbacks zu erhöhen. Wird es neben seinem beträchtlichen Potential als Therapeutikum auch einmal zu einem Dopingmittel?

Nature Medicine 2018

Verfasst am 31.10.2018

Tabelle 1: Mögliche Diagnosekriterien für die alters-assoziierte Sarkopenie (adaptiert nach JBMR 2015, doi.org/10.1002/jbmr.2492).

Kriterium

Diagnostischer Test

Diagnostische Werte Männer

Diagnostische Werte Frauen

Muskelschwäche

Faustschluss-Stärke

<26 kg

<16 kg

Verminderte Muskelmasse

Lean Body Mass (mit DXA) geteilt durch den BMI

<0,789

<0,512

 

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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