access_time veröffentlicht 30.06.2020

Drei Therapiestudien beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Drei Therapiestudien beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom

30.06.2020

Verbessertes Überleben mit Enzalutamid

Enzalutamid (Xtandi®) als Androgen-Rezeptor-Hemmer und Abirateron (Zytiga®) als Hemmer der 17-Hydroxylase (und damit der adrenalen Testosteronsynthese) haben die schlechte Prognose des sogenannt kastrationsresistenten, metastasierenden Prostatakarzinoms verbessert. Zum Enzalutamid wurden nun die Mortalitätsresultate in diesem Tumorstadium bei Patienten mit ansteigendem PSA publiziert. Unter Enzalutamid überlebte die Hälfte der damit behandelten Patienten mehr als 67 Monate, während diese Zeit für 50% der Patienten unter Plazebo 56 Monate betrug [1].

 

Neues zur Induktion der Androgendeprivation

Ein oral verfügbarer Antagonist des Gonadotropin-Releasing-Hormons (Relugolix) führte im Vergleich zum etablierten, subkutan zu applizierenden Agonisten (Leuprolid) zu einer stärkeren Testosteronsenkung, und zwar ohne das dem Leuprolid innewohnende Phänomen der initialen Testosteronstimulierung. Kardiovaskuläre Nebenwirkungen traten bei Relugolix innerhalb knapp eines Jahres signifikant seltener als bei Leuprolid auf (2,9 vs. 6,2% [2]). Ein früher evaluierter anderer Antagonist des Gonadotropin-Releasing-Hormons, der allerdings parenteral zu applizieren war, hatte sich aus unbekannten, wenn nicht den Applikations-Gründen im Markt nicht durchgesetzt.

 

Ein weiterer Schritt zur individualisierten Therapie

Die Produkte der Gene ATM («ataxia-telangiectasia mutated») und BRCA1 und BRCA2 («breast cancer» 1 und 2) sind wichtig für die homologe Reparatur von DNA-Schäden (siehe Abbildung). Prostatakarzinome, die Mutationen in diesen Genen aufweisen, haben einen aggressiveren Verlauf. Wie bei anderen Tumoren versucht man auch beim Prostatakarzinom durch Hemmung einer DNA-Polymerase («polyadenosin diphosphate-ribose poylmerase» [PARP]) sozusagen das Weiterkopieren der wegen der genannten Mutationen nicht korrigierten Defekte zu hemmen. Olaparib, ein solcher Hemmstoff, führte bei Patienten mit kastrationsresistentem, metastasierendem Prostatakarzinom (die unter Therapie mit den «neuen» Antiandrogenen Enzalutamid oder Abirateron standen, siehe oben) zu einer signifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens und auch zur Verbesserung einiger Parameter der Lebensqualität (namentlich Schmerzkontrolle).

 

  1. Sternberg C, Fizazi K, Saad F, et al. Enzalutamide and Survival in Nonmetastatic, Castration-Resistant Prostate Cancer. N Engl J Med. 2020 Jun 4;382(23):2197-2206. Epub 2020 May 29.
  2. Shore N, Saad F, Cookson M, et al. Oral Relugolix for Androgen-Deprivation Therapy in Advanced Prostate Cancer. N Engl J Med. 2020 Jun 4;382(23):2187-2196. Epub 2020 May 29.
  3. de Bono J, Mateo J, Fizazi K, et al. Olaparib for Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer. N Engl J Med. 2020. N Engl J Med. 2020 May 28;382(22):2091-2102. Epub 2020 Apr 28.

 

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Bloggen Sie mit!

Wollen Sie auch einen Blogbeitrag publizieren? Dann schreiben Sie uns!

Mail an Redaktion

Verpassen Sie keinen Artikel!

close