access_time veröffentlicht 14.07.2020

Hepcidin als antientzündliches Therapeutikum?

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Hepcidin als antientzündliches Therapeutikum?

14.07.2020

Sogenannt freies Eisen kann via freie Radikalbildung oder Lipidperoxidation zum Zelluntergang führen, was den Verlauf von Infekten, Entzündungsprozessen und Durchblutungsstörungen verschlechtert. Deshalb hat der Körper ein Interesse daran, die Konzentration freien (ungebundenen) Eisens mit eisenbindenden Molekülen wie Ferritin oder («neutrophil gelatinase-associated») Lipocalin (NGAL) tief zu halten. Ein anderer bekannter Schutzmechanismus ist das Hepcidin. Dieses in der Leber produzierte Eiweiss verhindert, dass der wichtigste Eisen transportierende Kanal, das Ferroportin, an die Zelloberfläche kommen kann. Unter dem bei Entzündungen und Infekten vermehrt freigesetzten Hepicidin wird daher weniger Eisen aus dem Duodenum aufgenommen und es kann aus den eisenspeichernden Zellen schlechter freigesetzt werden (siehe Abbildung).

Ist diese «Hyper-Hepcidinämie» auch protektiv? Die Zufuhr von Hepcidin in einem Mausmodell einer spontan auftretenden Lupus-Nephritis (MRL/Lpr-Mäuse) führte in der Tat zu einer signifikanten Hemmung des Ausmasses und der Progression der Lupus-Nephritis. Ein interessanter Ansatz, angesichts der häufig belastenden und nebenwirkungsreichen Therapieoption beim Lupus erythematodes im Speziellen und autoentzündlichen Erkrankungen im Allgemeinen.

 

Scindia Y, Wlazlo E, Ghias E , et al. Modulation of iron homeostasis with hepcidin ameliorates spontaneous murine lupus nephritis. Kidney Int. 2020 Jul;98(1):100-115.Epub 2020 Feb 17.

 

Abbildung: A) Eisenresorption im Duodenum: Über DMT-1 («divalent metal transporter») wird Eisen luminal resorbiert und verlässt den Duodenozyten via das durch das Hepcidin negativ regulierte Ferroportin. Gebunden an Transferrin gelangt Eisen dann ins Knochenmark und in andere Speicher (Makrophagen, Leber). B) An Transferrin gebundenes Eisen wird in die Leber und Makrophagen via Transferrinrezeptoren aufgenommen und verlässt diese Zellen via Ferroportin. Wie im Duodenozyten wird Ferroportin durch Hepcidin negativ reguliert, die Eisenfreisetzung also gehemmt. 
(Aus: Martius F, Krapf R. ­Erythroferron: schon wieder ein neues Hormon! Schweiz Med Forum. 2014;14(48):896–7.)

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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