access_time veröffentlicht 11.08.2020

Moderne Menschen weniger schmerzempfindlich als Neandertaler – mit Ausnahmen

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Moderne Menschen weniger schmerzempfindlich als Neandertaler – mit Ausnahmen

11.08.2020

Die Neandertaler (und ihre asiatischen Verwandten, die Denisovaner) haben sich vor 500 000 Jahren evolutionsbiologisch gesehen getrennt von den modernen Menschen entwickelt. Im Vergleich zu letzteren weisen die Neandertaler drei Mutationen im Gen des neuronalen Na-Kanals (Nav1.7) auf, die mit verstärkten Schmerzsignalen (Nozizeption) assoziiert sind. Da es trotz separater Entwicklung doch zu amourösen Abenteuern zwischen Neandertalern und Vorfahren moderner Menschen gekommen war, ist erklärbar, warum 0,4% der modernen Menschen (Briten) diese Mutationen auch aufweisen. Individuell erhöhte (und entsprechend ernst zu nehmende) Schmerzperzeption hat also auch einen genetischen und evolutionsbiologischen Hintergrund. Interessant ist es, über die potentiellen Vor- und Nachteile einer erhöhten Schmerzsensibilität angesichts ihrer auch protektiven Effekte zu spekulieren.

 

Zeberg H, Dannemann M, Sahlholm K, et al. A Neanderthal Sodium Channel Increases Pain Sensitivity in Present-Day Humans. Curr Biol. 2020 Jul 15;S0960-9822(20)30861-7. Online ahead of print.

© Marcos Souza | Dreamstime.com

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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