access_time veröffentlicht 26.10.2020

Rekonvaleszenten-Serum: Wann und warum geben?

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig COVID-19

Rekonvaleszenten-Serum: Wann und warum geben?

26.10.2020

Diese Arbeit wiederholt und bestätigt diverse Beobachtungen über die Antikörperantwort bei einem Infekt mit SARS-CoV-2: Je schwerer die Erkrankung, desto höher die IgG-Antikörpertiter (und desto länger der SARS-CoV-2-Nachweis). Antikörper sind bei fast allen Patienten zwei Wochen nach Infektionsbeginn (8–10 Tage nach Symptombeginn) nachweisbar. Bei leichten Verläufen ist es unwahrscheinlich, den Akutphasen-IgM-Antikörper in messbaren Konzentrationen nachweisen zu können. Weiter gibt es eine Kreuzreaktion zwischen SARS-CoV-1- und -2-Antikörpern, aber nur die SARS-CoV-2-Antikörper haben einen neutralisierenden Effekt auf SARS-CoV-2. Die passive Immunisierung mit Rekonvaleszenten-Serum könnte also vor allem in den ersten 10 Tagen (Patienten haben noch keine relevante humorale Immunantwort) mit Serum von Patienten, die eine schwere COVID-19-Erkrankung überlebt haben (und hohe IgG-Titer aufweisen), Sinn machen. Die passive Antikörpertherapie ist nach wie vor experimentell.

Da die schweren COVID-19-Komplikationen wie Pneumonie/ARDS oft erst in der 2. und 3. Erkrankungswoche auftreten, sollten prädiktive Parameter ­(Lymphopenie, Höhe der LDH u.a.m.) Patienten identifizieren, die diese Kom­plikationen mit grosser Wahr­scheinlichkeit entwickeln werden und hoffentlich davon geschützt werden können. Eine Therapie könnte aber auch später neutralisierend wirken (schwere ­Verläufe haben höhere und länger persistierende Viruslasten) und in dieser Situation immunmoduliernd wirken, also die immunvermittelte Pathologie abschwächen.

Abb.:Zeitlicher Verlauf der globalen Antikörperantwort nach einem SARS-CoV-2-Infekt und Möglichkeiten und vermutete Wirkung der Applikation von Rekonvaleszenten-Serum je nach Applikationszeit. ADCC = Antikörper-abhängige Zelltoxizität (antibody-dependent cellular toxicity). Aus: Casadevall A, et al. SARS-CoV-2 viral load and antibody responses: the case for convalescent plasma therapy. J Clin Invest. 2020;130(10):5112–4, Nachdruck mit Genehmigung.

 

JCI 2020, doi.org/10.1172/JCI138759

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Ähnliche Beiträge

veröffentlicht 18.02.2018

Benzodiazepine: Hospitalisationsrisiko Pneumonie

Bloggen Sie mit!

Wollen Sie auch einen Blogbeitrag publizieren? Dann schreiben Sie uns!

Mail an Redaktion

Verpassen Sie keinen Artikel!

close