access_time veröffentlicht 28.07.2020

Ultraschallgesteuerte Therapie herzinsuffizienter Patienten

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig

Ultraschallgesteuerte Therapie herzinsuffizienter Patienten

28.07.2020

Eine Hospitalisation wegen einer dekompensierten Herzinsuffizienz ist ein Indexereignis im Verlauf einer Herzkrankheit. Sie ist mit hohem Risiko für Mortalität, Rehospitalisationen und Notfallkonsultationen belastet. Mittels transthorakalen Ultraschalles der Lungen sucht man als Zeichen der Stauung nach sogenannten B-Linien, die mit erhöhten Füllungsdrücken assoziiert sind (siehe Abbildung). In einer kleinen, aber prospektiv randomisierten und kontrollierten Studie mit einfacher Verblindung (d.h. des Sonographeurs) wurden je knapp 65 Patient(inn)en zu vier definierten Kontrollzeitpunkten während den sechs Monaten nach Spitalaustritt mit Ultraschall oder «nur» klinisch untersucht und die kardiale Therapie (im Wesentlichen Diuretika) wurde adaptiert. Unter Verwendung des Ultraschalls reduzierte sich das Auftreten des kombiniert gewählten Endpunktes (Mortalität, Rehospitalisation, Notfallkonsultation) signifikant (Reduktion von 48 auf 32% aller Fälle). Der signifikante Effekt wurde vor allem durch die Reduktion von Notfallkonsultationen erreicht, denn Mortalität und Rehospitalisationen waren in dieser kleinen Population identisch.

Der Lungenultraschall erweist sich immer klarer als zumindest eine wertvolle Ergänzung der klinischen Untersuchung und dürfte auch kosteneffektiv sein. Für die Verhinderung einer einzelnen Notfallkonsultation errechnen die Autoren eine NNT («number needed to treat») oder besser NNS («number needed to be sonographed») von 3,9.

 

Bild:Transthorakaler Ultraschall mit vertikalen hyperechogenen Reverbrationsartefakten (sog. B-Linien), die von der intakten Pleuralinie ausgehen und sich bis an das Bildschirmende erstrecken. Pathophysiologisch entsprechen die vertikalen Reverbrationsartefakte einem akustischen Phänomen an Luft/Flüssigkeitsgrenzen und korrelieren mit dem Ausmass eines interstitiellen Syndroms. Wir bedanken uns bei Herrn Dr. med. Joscha von Rappard (Hirslanden Klinik St. Anna, Luzern) für das eindrückliche Ultraschallbild und den dazu gehörenden Kommentar.

 

Araiza-Garaygordobil D, Gopar-Nieto R, Martinez-Amezcua P, et al. A randomized controlled trial of lung ultrasound-guided therapy in heart failure (CLUSTER-HF study). Am Heart J. 2020 Jun 15;227:31-39. Online ahead of print.

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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