access_time veröffentlicht 18.02.2020

Kurz und bündig Heft 9/10, Teil 2

Prof. Dr. med. Reto Krapf

Kurz und bündig Heft 9/10, Teil 2

18.02.2020

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Das hat uns gefreut

Mikrobiomforschung – kritische Lektüre ist gefragt

Auf der kurz und bündigen Literatursafari trifft man unweigerlich auf eine Vielzahl von Meldungen zur Mikrobiomforschung, die alles – anscheinend – kristallklar zu erklären wissen. Ein schwieriger Selektionsprozess, worauf man das Korn und dann den Schuss, der hoffentlich ins Schwarze trifft, fokussieren will! Mit Unbehagen spüren wir, dass wir uns in der aufsteigenden Kurve des in allen Wissenschaftsbereichen bestens bekannten «Gartner-Hype-Zyklus» befinden, dass also Enttäuschungen und Korrekturen nicht ausbleiben werden (siehe Abbildung). Eine sehr lesenswerte, grundsätzlich aber wohlwollende Kritik wurde eben im für Publikationen rigoroser Grundlagenforschung geschätzten Journal Cell publiziert. Die Hauptkritik richtet sich an die Praxis, durch Transfer veränderter («dysbiotischer» oder phänotypisch pathologischer) menschlicher Mikrobiota in Nagermodelle pathophysiologische Mechanismen zu «beweisen». Bei systematisch analysierten Artikeln fiel in 36 von 38 Fällen (95%) auf, dass die Beobachtungen bei den Nagetieren so ­extrapoliert wurden, dass affirmativ kausale Aussagen über die menschliche Pathologie gemacht wurden!

Cell 2020, doi.org/10.1016/j.cell.2019.12.025
Verfasst am 01.02.2020.

Auch noch aufgefallen

Statine und Gedächtnisverlust: Ist da etwas dran?

Nein, laut einer australischen Beobachtungsstudie sind die da und dort gehörten Befürchtungen nicht begründet. Mehr als 1000 zuhause lebende ältere Personen (70–90 Jahre) wurden zweijährlich mit neuro­psychologischen Tests und in einer prädefinierten Subgruppe von gut 500 Teilnehmer(inn)en auch mittels Magnetresonanztomographie untersucht. Dabei fand sich kein schnellerer Gedächtnisverlust (und kein schnellerer Volumenverlust des Hippocampus) unter Statinen nach durchschnittlich sechs Jahren.

J Am Coll Cardiol. 2020, doi.org/10.1016/j.jacc.2019.09.041
Verfasst am 22.01.2020.


Konversion des Vorhofflimmerns auf der Notfallstation

Was wir wussten: Sowohl medikamentöse als auch «elektrische» Konversionsversuche sind beim neu aufgetretenen Vorhofflimmern sehr wirksam und können häufig ambulant (nach Intervention auf Notfall- oder Intensivstation) durchgeführt werden. Spätere Hospitalisationen sind eher die Ausnahme.
Was neu ist: 50% der primär medikamentösen Kon­versionsversuche sind erfolgreich und sparen die für elektrische Konversionen erhöht erforderlichen Ressourcen.

Lancet 2020, doi.org/10.1016/S0140-6736(19)32994-0
Verfasst am 01.02.2020.


Maserninfekte supprimieren vorbestehende Immunitäten: nochmals ein Argument für die Impfung

77 ungeimpfte Kinder konnten vor und nach einer ­natürlichen Maserninfektion mit einem aufwendigen Analysesystem untersucht werden. Diese Methode ist in der Lage, das Antikörper-Repertoire gegenüber im wörtlichen Sinne Tausenden von Epitopen (Antigen-­Erkennungs-Sequenzen) infektiöser Agenzien zu messen. Eine Maserninfektion führte zu einem breit ge­fächerten und quantitativ eindrücklichen Verlust dieser humoralen Antikörper respektive des immunologischen Gedächtnisses.
Wichtig: Nach Masern-/Mumps-/Röteln-Impfungen (MMR) war ein solcher «bona fide» immunsupprimierender Effekt nicht nachweisbar.

Science 2019, doi.org/10.1126/science.aay6485
Verfasst am 01.02.2020, auf Hinweis von Herrn PD Dr. A. Jehle, Luzern.

 

Welches ist Ihre Diagnose?

Bei der abgebildeten Hauteruption ­handelt sich um (eine Antwort ist richtig):

A    Herpes simplex Typ 2
B    Pockeneffloreszenzen
C    Varizella-Zoster-Infekt
D    Mollusca contagiosa
E    Verbrennungsblasen

Prof. Dr. med. Reto Krapf

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